23.06.2022 11:27 |

„Keine Lösung“

NGO-Studie macht Stimmung gegen eFuels

NGOs, die sich für einen nachhaltigen Verkehr einsetzen, sprechen synthetischen Kraftstoffen das Potential ab, zum Klimaschutz beizutragen: „Synthetische Kraftstoffe sind keine Lösung für die Dekarbonisierung von Autos“, sagt Stef Cornelis, Direktor von Transport & Environment Deutschland. eFuel-Befürworter kontern umgehend: E-Mobilität und eFuels müssten zusammenwirken, sonst seien die Emissionsziele nicht zu erreichen.

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„So schlecht können sie nicht sein, wie der Bericht von Transport and Environment behauptet, denn die Union wird sie in der Erneuerbaren Richtlinie, der Luftfahrtrichtlinie und der Seeschifffahrt vorschreiben“, argumentiert Stephan Schwarzer, Geschäftsführer der eFuel-Alliance Österreich.

Für Pkw sind eFuels jedoch nicht vorgesehen, es ist ein generelles Verbot von Verbrennungsmotoren in Autos ab dem Jahr 2035 geplant.

T&E verurteilt eFuels als nutzlos
Die Studie von T&E, der Dachorganisation von 53 nichtstaatlichen europäischen Umwelt-Organisationen, lässt hingegen kein gutes Haar an eFuels. Ein Fahrzeug, das mit einer Mischung aus eFuels und Benzin angetrieben wird, würde seine Emissionen im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen nur um 5 Prozent reduzieren. Der Anteil der Beimischung wurde aber nicht genannt.

Allerdings würde auch ein Fahrzeug, das mit reinem eFuel betrieben wird, das mit erneuerbarem Strom hergestellt wird, über seinen Lebenszyklus mehr emittieren als das Elektroauto, zeige die Analyse. „Ein Elektrofahrzeug wäre 53 Prozent sauberer als ein Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen.“ Dies sei vor allem auf Verluste in der eFuel-Herstellung und den ineffizienten Verbrennungsmotor zurückzuführen.

Berechnungsgrundlage für den CO2-Abdruck bei Herstellung und Betrieb der Batterieautos war der durchschnittlichen EU-Strommix, der für 2030 vorhergesagt wird.

eFuel-Allianz entkräftet T&E-Argumente
„E-Autos sind ebenfalls eine wichtige Option bei der Dekarbonisierung des Verkehrs, aber nicht die einzige“, erklärt Stephan Schwarzer. „Ideal wirken E-Mobilität und eFuels zusammen, noch im Jahr 2030 rechnen wir mit 80 Prozent Verbrenneranteil der Pkws auf Österreichs Straßen. 100 Prozent klimaneutral hergestelltes eFuel im Tank bedeute 100 Prozent weniger CO2-Emission. “Daran gibt es nichts zu rütteln.„

Zudem verschleiere der Vergleich anhand des europäischen Strommixes, dass Atomkraftwerke als CO2-freie Technologie berücksichtigt werden. “Grotesk finde ich, dass nun Atomstrom gegenüber dem Wasserstoffderivat eFuel bevorzugt wird„, kritisiert Schwarzer (eFuels werden aus Wasserstoff und CO2 aus der Luft erzeugt, Anm.). Gerade jetzt, Stichwort “Zeitenwende„, verschlechtere sich der Strommix in Österreich, Deutschland und Europa dramatisch, wenn Erdgas durch Braunkohle, Steinkohle und Erdöl ersetzt wird.

Totschlagargument Wirkungsgrad
T&E kritisiert die Tatsache, dass der Wirkungsgrad von eFuels sehr gering ist. Man braucht zu ihrer also sehr viel mehr Energie, als man herausbekommt. Doch das lässt Schwarzer nicht als Argument gegen die synthetischen Kraftstoffe gelten: “Mit dem Argument Wirkungsgrad kann man sehr viele nützliche Optionen in ein schlechtes Licht rücken. In Wahrheit nützen eFuels Sonnen- und Windkraftpotenziale auf der Erde, die bisher brachliegen. Angesichts der gewaltigen Herausforderung müssen alle Optionen genützt werden.„

Es sei faktenwidrig, dass E-Mobilität allein bis 2030 die erforderlichen Emissionsreduktionen schafft. “Keine andere technische Option als die eFuels eignet sich für rasches Hochfahren einer Massenproduktion und hat daher einen derart großen Hebel."

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