03.11.2021 18:28 |

Klimaretter-Sprit

AVL baut in Graz zukunftsweisende eFuel-Anlage

Langsam aber sicher zweigt die Klimaschutz-Einbahnstraße auch in andere Richtungen als die Elektromobilität ab, was den Verkehr betrifft. Synthetische Kraftstoffe gewinnen in den Planungen immer mehr an Bedeutung. Ganz konkret auch in Österreich: Der Technologiekonzern AVL hat nun angekündigt, im Jahr 2023 eine Produktionsanlage für solche eFuels in Betrieb zu nehmen.

eFuels sind künstlich Kraftstoffe, die fossile Energieträger in Verbrennungsmotoren jeglicher Art ersetzen können, aber aus Energie, Wasser und CO2 hergestellt werden. Stammt die Energie aus nachhaltigen Quellen, ist die Verwendung von eFuels also CO2-neutral und damit klimafreundlich.

AVL will nun in Graz die nach eigenen Angaben effizienteste Power-to-Liquid-Anlage Europas bauen. Mit ihr sollen rund 100.000 Liter eFuel pro Jahr erzeugt werden. Die Anlage soll Vorbild für den industriellen Einsatz weltweit sein.

Rund eineinhalb Jahre wurde an dem Projekt gefeilt, mehrere österreichische Investoren sind an Bord. Am Dach eines AVL-Gebäudes sollen die diversen Container der Anlage errichtet werden. „Wir entwickeln die Technologien zum Ausstieg aus der fossilen Welt“, fasste AVL-CEO Helmut List zusammen.

Effizienter als andere Anlagen
Die Anlage sei ein „Meilenstein bei der Erzeugung und Lagerung von synthetischen Kraftstoffen“, so List weiter. Die Herstellung des eFuels in Graz sei im Vergleich zu anderen bisher bekannten Verfahren um bis zu 20 Prozent effizienter. Hintergrund sei unter anderem eine neue Hochtemperatur-Elektrolyse. Andere Anlagen, wie jene von Porsche in Chile, arbeiten mit Niedrigtemperatur, die ein limitiertes Wirkungspotenzial mit sich bringe, erklärt der AVL-Projektverantwortliche Jürgen Rechberger.

Hinzu kommt, dass die Anlage tagsüber mit Strom aus einer daneben aufgebauten Solaranlage betrieben wird, nachts werde „grüner Strom“ zugekauft. Das CO2, das für die Produktion des eFuels nötig ist, fällt bei der Zuckerproduktion in Niederösterreich an und wird nach Graz geliefert.

Laut Roth fahren derzeit in Österreich rund 7,5 Mio. Kraftfahrzeuge mit fossiler Energie. Wenn nur zehn Prozent eFuel beigemengt werde, würden 750.000 Fahrzeuge CO2-neutral fahren, rechnete der Unternehmer vor. Mit dem synthetischen Kraftstoff könnte die gesamte Bestandsflotte fahren, keiner müsste sich deswegen ein neues Fahrzeug kaufen oder umrüsten. Die Anlage in Graz soll zeigen, dass die Herstellung leistbar und standortverträglich ist, „nur dann wird es auch nachgemacht“, so Roth. In der Produktion stecke 100 Prozent österreichisches Know-how und „es könnte zum Exportschlager werden“, schwärmte er. Ziel sei es, den Liter eFuel für unter einen Euro anzubieten.

Für die Kunden an der Tankstelle soll sich wenig ändern: Wahrscheinlich werde eFuel den konventionellen fossilen Kraftstoffen wie Benzin oder Diesel beigemengt. Von zehn bis 100 Prozent sei da alles möglich, so Roth. Fraglich ist aber noch, wie es sich auf den Preis auswirkt. Daher wären größere Anlagen und Produktionen sinnvoll. Die Grazer Anlage wird mit 200 kW arbeiten, laut Rechberger sind in Europa Anlagen mit 60 bis 80 MW denkbar, in Chile eventuell sogar bis zu 100 MW. Für den Verbrennungsmotor hat eFuel keine Auswirkungen, dieser laufe wie mit fossilen Brennstoffen. eFuel kann außerdem auch als Kerosin verwendet werden.

Knackpunkt: Die gesetzliche Grundlage
Problem: Derzeit gelten Fahrzeuge, die CO2 ausstoßen, als nicht klimaneutral. Da bei eFuel die Herstellung allerdings neutral ist, müsste das das Gesetz noch anerkennen. Es könne laut Roth nicht sein, dass ein Elektroauto, das beispielsweise mit Strom, der aus Kohle gewonnen wird, als CO2-neutral gilt, nur weil lokal kein CO2 ausgeschieden wird.

Baustart für die Anlage ist im vierten Quartal 2022, schon im ersten Quartal 2023 soll der Demobetrieb der Elektrolyse anlaufen, im zweiten Quartal 2023 soll das erste eFuel hergestellt werden.

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