15.06.2022 10:00 |

„Krone“-Reisereportage

Zakynthos: Tausendmal die Farbe Blau

Weite Strände im Süden, einsame Berggebiete im Norden, die steil ins Meer abfallen, dazu ein Schiffswrack als Touristenattraktion. Die griechische Insel Zakynthos ist zum Baden allein viel zu schade. 

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Es glitzert, es leuchtet so prächtig wie sonst kaum irgendwo im Wasser des Mittelmeeres. Zartes Blau, gleich daneben helle türkise Töne mit einem kleinen Schuss Gelb, die in einem zarten Übergang von azurblauer Farbe abgelöst werden. Kein Maler könnte diese Leuchtkraft des Wellenschlages nachahmen. Es sind tausend Schattierungen von Blau, Abertausende Abstufungen, die im Meer rund um Zakynthos zu bewundern sind. Angeblich wird diese Farbenpracht des Wassers auch durch den Kalkstein der Berge der Insel verursacht. Immer wieder lösen sich Sedimente, oder es brechen lose Felsteile ab, stürzen ins Meer und beeinflussen das prachtvolle Farbenspiel.

Die Insel ist die südlichste im Ionischen Meer, die nördlichste ist Korfu, wo es einst Kaiserin Sisi hinverschlagen hat. Allen gemein ist die venezianische Vergangenheit, erst 1864 wurden die Inseln ein Teil Griechenlands. Die Vergangenheit ist nicht vergessen. Erst vor Kurzem gab es eine Partei, die für eine Rückkehr zu Italien kämpfte. Ältere Bürger auf Zakynthos sprechen einen Dialekt, der von Italienisch beeinflusst ist. Selbst in der Musik ist die Nähe zu Italien hörbar. Die Volkslieder der Inseln haben die heitere Stimmung übernommen.

Mit kaiserlicher Vergangenheit wie auf Korfu kann Zakynthos nicht aufwarten. Hier wird landschaftliche Schönheit im Norden gepaart mit weiten Stränden im Süden. Von hier aus steigt das Land immer mehr an, bis die Berge steil ins Wasser abstürzen. Bei einem Schiffsausflug sind die Felswände, in denen sich oft kleine Höhlen befinden, wunderbar zu sehen. Die Bootsführer fahren gerne tief in den Berg hinein. Bei einem Stopp ist ein schnelles Bad in einer der „blauen Grotten“ erlaubt.

Im Norden befindet sich auch das wichtigste Ausflugsziel der Insel, das skurrilerweise auf einem kriminellen Akt beruht. Blenden wir zurück in das Jahr 1980: Der Sturm tobte in einer Nacht Ende Oktober in der Ionischen See, als sich ein kleiner Kutter mühsam seinen Weg durch die Wellenberge bahnte. Die „Panagiotis“ war bereits der italienischen Küstenwache aufgefallen. Doch zu einer Durchsuchung kam es nicht mehr. Der Kutter strandete vor Zakynthos und blieb ausgerechnet am schönsten Strand, der Navagio-Bucht, stecken. Die Ladung verschwand. Wie Einheimische wissen, geschah alles mit voller Absicht. Denn der Kutter war mit 15 Tonnen geschmuggelter Zigaretten und Alkohol beladen, die später verkauft wurden.

Dieses Schmugglerschiff liegt noch heute in der Bucht, malerisch genau in die Mitte des Strandes platziert, und zählt zu den meistfotografierten Punkten Griechenlands. Die Navagio-Bucht ist ein Wunder der Natur. Wind und Wasser haben eine Kathedrale aus Stein, ein Halbrund, fast wie in einem klassischen griechischen Theater, geschaffen. Die Bucht ist mit dem Auto nicht erreichbar. Es gibt zwar einen Aussichtspunkt. Er reicht für einen Fotostopp, einen Bootsausflug ersetzt er nicht. Deshalb darf die Bucht mit dem Wrack bei keiner Inselrundfahrt fehlen. Badestopp am idyllischen Strand inklusive.

Ganz im Süden, im Gebiet der kleinen Insel Marathonisi, haben die Unechten Karrett-Schildkröten ihre Heimat. Die größten Exemplare werden bis zu 140 Kilo schwer. Zu sehen sind sie vor allem bei Bootstouren in Schiffen mit Glasboden, wenn sie majestätisch über den Meeresboden gleiten. Brutzeit ist von Juni bis August.

Die kleinen Schildkröten schlüpfen dann aus den Eiern und streben in einem Kampf um ihr Leben dem Meer zu. Sie orientieren sich vor allem an Lichtquellen, wie dem Mond. Unglücklicherweise befindet sich die Einflugschneise des Flughafens ausgerechnet über den Brutplätzen. Um die Tiere nicht durch starkes Scheinwerferlicht zu verwirren, steht nachts sogar der Flugverkehr still. Massentourismus hin oder her.

Peter Grotter
Peter Grotter
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