Widersprüche: Es war nicht die einzige Widersprüchlichkeit, auf die der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil im aktuellen TV-„Club 3“ von „Krone“, „Kurier“ und „profil“ hinwies, als er - wie hier gestern schon erwähnt - meinte, dass er es nicht so recht einsehe, warum man im Rahmen der von der Regierung geplanten Impflotterie „dafür belohnt wird, wenn man ein Gesetz einhält“. Da diskutierten wir mit ihm gleich weiter über Widersprüche, an denen es derzeit ja so gar nicht mangelt: Wie logisch ist es, die Beschränkungen für Ungeimpfte aufzuheben, wenn gleichzeitig die (sogenannte) Impfpflicht in Kraft tritt? Das kann niemand schlüssig erklären. Kurz nach der Aufzeichnung des Gespräches mit dem Burgenländer, in dem dieser nicht unvernünftig empfahl, über weitere Lockerungen nicht gerade am vermutlichen Höhepunkt der Omikron-Welle zu diskutieren tat die Bundesregierung genau das. Oder besser gesagt: Diskutierte nicht, sondern verkündete ausgerechnet am Wochenende mit den bisher höchsten Infektionszahlen Lockerungsschritte. Warum das für Freund und Feind unerwartet überfallsartig am Samstag geschehen musste? Dafür sahen Unkenrufer gute Gründe…
Meisterliches Auspackeln. Die überfallsartige Verkündung von Pandemie-Erleichterungen wird doch nicht damit zu tun haben, dass sich seit Freitag Abend plötzlich ein ebenfalls unerwartetes Thema wie ein mächtiger Schatten über Türkis und Grün legte? Nach allem, was man in den letzten Jahren so erlebt hat, wäre es nicht auszuschließen, dass die neue Themensetzung in Fortsetzung der vielfach bewährten türkisen Kommunikationsstrategie dazu dienen sollte, die Spots von der Diskussion um die Geheimabsprachen zu den Koalitionsvereinbarungen zwischen Türkis-Blau und Türkis-Grün zu lenken. Die Veröffentlichung dieser Papiere wirft nämlich ein grelles, aber ungünstiges Licht auf die beteiligten Parteien und Personen. Auf Alt-Alt-Kanzler Kurz, der im Widerspruch zur von ihm einst versprochenen „Politik neuen Stils“ packelte wie alle zuvor. Auf die Blauen, die seit Jahrzehnten gegen die Parteibuchwirtschaft wettern, um sich sofort schamlos zu bedienen, wenn der Futtertrog in Reich- und Riechweite kommt. Und die Grünen? Auch in der selbst ernannten Sauberkeitspartei stehen Anspruch und Realität in scharfem Widerspruch: Man fordert Transparenz und versteckt Mauscheleien bis hin zur Zustimmung zum Kopftuchverbot. Aber wenn man dafür den ORF-Stiftungsrat-Vorsitz bekommt, dann wird man doch auch ein grünes Dogma über Bord werfen dürfen. Was bleibt hängen? Die sind doch alle gleich. Ja, auch „neue Volkspartei“, Freiheitliche und Grüne. Man kann sich davor grausen. Oder es ganz normal finden, weil es immer österreichische Realität war. Man kann sich auch darüber lustig machen wie unser frecher „Herr Nimmerwurscht“ in der Sonntags-„Krone“, der die Postenabsprachen gleich mit der Corona-Bekämpfung ironisch verquickt, wenn er meint: „Wäre die Regierung in der Pandemiebekämpfung so vorausschauend wie bei der Postenbesetzung, hätten wir Corona längst überwunden.“ Aber beim Auspackeln von Postenbesetzungen zeigt man sich hierzulande eben doch meisterlicher als bei der Bewältigung anderer Herausforderungen…
Einen schönen Sonntag!
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