22.01.2022 10:10 |

Bei Arbeit angesteckt?

Viele schauen bei Long Covid durch die Finger

Die SPÖ startet einen neuen Anlauf, Covid-19 als Berufskrankheit anerkennen zu lassen. Sie greift damit eine Forderung der Arbeiterkammer auf, die zuletzt kritisierte, dass diese Einstufung derzeit nur für bestimmte Berufsgruppen möglich ist. Damit haben nicht alle Betroffenen Anspruch auf Leistungen der Allgemeinen Unfallversicherung AUVA. Besonders die aktuelle Omikron-Infektionswelle dürfte die Problematik dabei zusätzlich befeuern.

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Die Allgemeine Unfallversicherung zählt derzeit 7200 Fälle von Long Covid bei Menschen, die sich nachweislich in der Arbeit angesteckt haben. Sie haben damit einen rechtlichen Anspruch bei der AUVA auf Therapie, Umschulungen und in schweren Fälle sogar auf Rentenzahlungen. Die konkreten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind dabei noch gar nicht abschätzbar.

Nur wenige haben Anspruch
Umfasst von der aktuellen Regelung ist dabei nur ein kleiner Teil aller Arbeitnehmer - nämlich vorrangig Personen im Gesundheitsbereich oder auch Pädagogen in Kindergärten oder Schulen. Dies sei eindeutig zu eng gefasst, meint der Nationalratsabgeordnete Rudolf Silvan von der SPÖ im Ö1-„Morgenjournal“. Er nannte als Vorbild Deutschland, wo alle Branchen und Berufe entsprechend erfasst seien.

Silvan rechnet mit derzeit rund 150.000 Menschen im Land, die von den Langzeitfolgen einer Erkrankung betroffen sind. „Ich glaube doch, dass sich ein Großteil hier im Beruf angesteckt hat“ - dazu zählt er etwa Bauarbeiter, die nun durch die Finger schauen würden. Die Dunkelziffer an tatsächlich Betroffenen sei also sehr hoch.

Arbeitsplätze nicht für Herausforderungen gerüstet
Auch der Neurologe und Long-Covid-Spezialist Michael fordert mehr Rücksichtnahme für das Thema. Beschäftigte mit einer Long-Covid-Erkrankung können schließlich oft nur noch mit teils erheblichen Einschränkungen arbeiten. Sie seien teilweise bereits vom Arbeitsweg so müde, dass sie sich niederlegen müssten. Es bräuchte damit wesentlich öfter Pausen, die an den meisten Arbeitsplätzen nicht möglich sind.

Omikron sorgt wohl für viele weitere Fälle
Aus Sorge um die eigene Existenz würden viele versuchen, einfach weiterzumachen. Nur Stunden zu reduzieren und vermehrt auf Homeoffice zu setzen sei dabei aber „kein Dauerzustand“, so Stingl gegenüber Ö1. Es gebe aber auch genug Leute, die generell nicht mehr arbeitsfähig sind. Auch wenn genaue Zahlen fehlen, zeichnen Schätzungen dabei ein düsteres Bild. In der Omikron-Welle könnten schließlich bis zu 20 Prozent der Bevölkerung an Covid-19 erkranken.

„Wenn man davon ausgeht, dass davon zehn Prozent Long Covid bekommen und von diesen Fällen 40 Prozent nach sieben Monaten nicht arbeitsfähig sind, dann wären das Pi mal Daumen rund 40.000 Leute, die nicht oder nur eingeschränkt arbeiten können“, rechnet der Neurologe vor. Es brauche daher ein Sicherheitsnetz „für Leute, die längerfristig ihrer Existenz beraubt sind“. Viele Betroffene seien derzeit einfach sich selbst überlassen.

Ministerium riegelt ab
Das Gesundheitsministerium riegelt in der Frage jedoch weiterhin ab, derzeit sei eine entsprechende Änderung nicht geplant, hieß es gegenüber Ö1. Begründet wird dies mit der Nachweisbarkeit einer Infektion - es sei dabei meist keine eindeutige Abgrenzung zur „privaten Sphäre“ feststellbar - und ebendort passieren statistisch gesehen weiterhin die meisten Ansteckungen.

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