22.01.2022 21:16 |

Von wegen „grün“

Die drei größten Lügen rund um die Atomkraft

EU will AKWs als klimafreundlich anerkennen, auch aufgrund mutmaßlicher Lügen der Atomlobby, denn sie sind unwirtschaftlich. Franz Angerer, Chef der heimischen Energieagentur, verrät die drei Kernfehler dieses Planes. 

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In 13 der 27 EU-Länder sowie in Großbritannien und der Schweiz laufen derzeit etwas über 100 Kernkraftwerke. Weltweit sind es 443 (siehe Grafik unten). Auf Druck Frankreichs, das 70% seines Stroms nuklear erzeugt, Tschechiens und anderer Staaten will die EU Atomkraft als klimafreundlich anerkennen. Das würde staatliche Förderungen sowie den Einstieg privater Investoren erleichtern. Doch dieser Plan hat drei Kernfehler, so Franz Angerer, Chef der heimischen Energieagentur.

AKWs kommen zu spät:
Derzeit sind noch drei Anlagen in Bau (Großbritannien, Frankreich, Finnland), doch mit meist bereits mehrjährigen Verzögerungen. „Diese werden wahrscheinlich noch fertiggestellt, aber darüber hinaus wird mindestens in den nächsten zehn Jahren sicher nichts dazukommen. Zur Erreichung der Klimaziele werden sie somit nichts beitragen.“

Eher werden bestehende Anlagen länger als geplant laufen bzw. erneuert werden. Doch sind z.B. viele französische Meiler inzwischen 40 Jahre alt, alleine ihre Renovierung dürfte gut 100 Milliarden Euro kosten. Für die ganze EU kalkuliert man in Brüssel gar 500 Milliarden Euro.

AKW sind zu teuer:
Neben solchen Sanierungskosten ist auch der laufende Betrieb zu kostspielig. „Atomkraft ist die einzige Energiegewinnung mit negativer Lernkurve: Jede neue Anlage ist teurer als die vorige, während speziell Wind- und Solarstrom immer billiger erzeugt werden.“

Beispiel: Beim kommenden britischen AKW Hinkley Point rechnet man derzeit mit 112 Euro pro Megawatt, ein großer Windpark vor Schottland liefert die fünffache Menge Strom um 50 Euro. Angerer: „Es ist kein Zufall, dass in den USA seit 30 Jahren kein AKW mehr gebaut wurde.“ Weltweit gäbe es auch kein Kernkraftwerk ohne massive staatliche Förderungen.

AKWs sind nicht klimaneutral:
Schon jetzt entsteht bei Kernkraft durch den aufwendigen Uranabbau laut Energieagentur 26 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Da gute Uranvorkommen erschöpft sind, dürfte dieser Wert in den nächsten Jahrzehnten auf bis zu 210 Gramm steigen. Österreich braucht zudem keinen Atomstrom, so Angerer. Rechnungen, wonach bis zu 11% der Elektrizität im heimischen Netz aus (tschechischen) Nuklearanlagen importiert sind, hält er für wesentlich zu hoch. 

Christian Ebeert
Christian Ebeert
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