21.01.2022 14:25 |

Pommers Feierabend

Eine Kurzgeschichte über Delfine

Einen schönen Freitagabend.

Für 150.000 Euro hat der Steuerzahler jetzt also erfahren, dass Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz laut einer Umfrage über Tiervergleiche ein Delfin wäre. Da kann man sich auf den ersten Blick freuen, Delfine sind flink, intelligent und kommunikativ. Es hätte schlimmer kommen können, wird sich Kurz gedacht haben, die Natur ist reich an bunten Geschöpfen. Es gibt den Blobfisch, wie von Deix erschaffen; den Nasenaffen, das einzige Lebewesen dieser Erde, das die FFP2-Maske wirklich nur um den Mund tragen kann; den Nacktmull oder den See-Elefanten, der aussieht wie ein geschmolzener Nasenaffe, der in eine Schlägerei geraten ist. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, alle Lebewesen sind schön. Es zählen die inneren Werte - außer vielleicht bei den Quallen, die haben kaum welche. Trotzdem würde sich niemand freuen, wenn er zum Beispiel mit einem Seewolf verglichen wird. Googeln Sie den mal.

Jedenfalls ist Delfin gut, ich will trotzdem nicht mit einem gemessen werden. Delfine wirken immer sehr eitel, wie Haie, die sich für den Abend nuttig herausgeputzt haben, wie Wolfgang Fellner sagen würde. Und sie lächeln ständig, ein Dauergrinsen, das aber nicht ihrer Fröhlichkeit geschuldet ist. Irgendwann habe ich einmal gehört, dass es vor allem an ihrem vorstehenden Unterkiefer liegt. Delfine sind also nicht immer glücklich, sie haben wohl nur ein schiefes Gebiss. Ich hoffe das stimmt so, aber fühlen Sie mir bitte nicht auf den Zahn.

Und sie nehmen Drogen, vor allem die Jungen. Sie gehen dazu nicht in einen Club, kaufen von einem Mitarbeiter Kokain und schreiben darüber, sie ziehen sich Kugelfische rein. Die haben eine hohe Konzentration des Nervengifts Tetrodotoxin und geben es in Panik ab, wenn man auf ihnen herumkaut. Delfine reichen den angebissenen Fisch dann an ihre Freunde wie einen Joint weiter. Auch nicht nett: Im „Spiegel“ habe ich gelesen, dass männliche Delfine den Nachwuchs anderer töten, um die Weitergabe des eigenen Erbgutes zu gewährleisten.

Ich will Delfine nicht schlechtmachen, sie sind großartige Geschöpfe. Ich war einmal segeln, und ein Rudel hat uns bei der Fahrt aus dem Hafen ein Stück begleitet. Die Tiere sind über das Wasser gehüpft, es war ein faszinierender Anblick. Sie retten Menschen, während der Mensch sie abschlachtet. Aber wenn jemand zu mir sagen würde: Michael, du erinnerst mich an einen Delfin, kann das heißen: schnell und intelligent. Aber auch: aggressiver Junkie mit schiefen Zähnen. So oder so, 150.000 Euro wäre mir der Blödsinn nicht wert. Wobei das heutzutage ja auch kein Geld mehr ist. Dafür müssen Sie nur 300-mal in der Impf-Lotterie der Bundesregierung gewinnen. Das schafft jeder von uns bis zum Ende der Pandemie locker.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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