Sechsmal in 10 Jahren

Österreich wechselte den Kanzler öfter als Italien

Politik
03.12.2021 16:26

Mit der für Montag erwarteten Angelobung von Karl Nehammer (ÖVP) bleibt Alexander Schallenberg (ÖVP) der Bundeskanzler mit der bisher kürzesten Amtsdauer der Zweiten Republik. Damit hat Österreich in nur zehn Jahren sechsmal den Regierungschef gewechselt - öfter als das bei solchen Gelegenheiten oft beschworene Negativvorbild Italien, das seit Dezember 2011 nur auf fünf Wechsel kommt. Reinhold Mitterlehner und Hartwig Löger (beide ÖVP), die nur interimistisch Kanzler waren, sind hier noch gar nicht mitgezählt.

Grundsätzlich ist Bundeskanzler in Österreich kein Langzeitjob: mehr als zwei volle Legislaturperioden haben die wenigsten der bisher 16 Regierungschefs durchgedient. Am längsten im Amt gehalten hat sich Bruno Kreisky, der von 1970 bis 1983 mehr als 13 Jahre an der Spitze einer SPÖ-Alleinregierung stand. Dahinter folgt Franz Vranitzky, der von 1986 bis 1997 gemeinsam mit der ÖVP regierte. Bei der Volkspartei stechen Julius Raab (von 1953 bis 1961) und Leopold Figl (1945 bis 1953) als Langzeitkanzler hervor (siehe auch Grafik unten).

Faymann der bisher letzte Langzeitkanzler
Im neuen Jahrtausend schrumpfte die Amtszeit der Bundeskanzler dramatisch zusammen - und das, obwohl SPÖ und ÖVP im Jahr 2007 die Abstände zwischen den regulären Wahlen von vier auf fünf Jahre erhöhten. Wolfgang Schüssel von der ÖVP wirkte von 2000 bis 2007 noch 2533 Tage am Ballhausplatz. Sein Nachfolger Alfred Gusenbauer (SPÖ) hielt sich nur knapp zwei Jahre im Kanzlersessel, ehe er Ende 2008 seinem Parteifreund Werner Faymann weichen musste. Der von Gegnern gerne belächelte Faymann war mit 2715 Tagen (fast siebeneinhalb Jahren) der bisher letzte Langzeitkanzler.

Christian Kern (links) und Werner Faymann (Bild: APA/Herbert Neubauer)
Christian Kern (links) und Werner Faymann

Nachfolger Christian Kern von der SPÖ schaffte nur 580 Tage, ehe ihn die von Sebastian Kurz (ÖVP) ausgerufene Neuwahl aus dem Amt beförderte. Kurz selbst wirkte insgesamt 1169 Tage im Kanzleramt - unterbrochen von 218 Tagen Übergangskanzlerschaft der parteifreien Ex-Höchstrichterin Brigitte Bierlein nach der Ibiza-Affäre. Nachdem Kurz wegen schwerer Korruptionsvorwürfe zurückgetreten war, hievte die ÖVP am 11. Oktober den bisherigen Außenminister Alexander Schallenberg ins Amt. Seine Kanzlerschaft bleibt mit nur 56 Tagen eine besonders kurze Episode.

Angelobung am Nikolaustag 
Voraussichtlich am Montag wird der designierte neue ÖVP-Obmann Karl Nehammer auch den Vorsitz in der Regierung übernehmen und vom Innenministerium in der Herrengasse an den nahen Ballhausplatz wechseln. Detail am Rande: Auch in Deutschland gibt es in der Nikolauswoche einen neuen Kanzler: Olaf Scholz soll am Mittwoch als Regierungschef der neuen Ampelkoalition angelobt werden - das war allerdings schon länger im Voraus geplant.

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