20.11.2021 11:40 |

Kultur muss schließen

Lockdown trifft vor allem die Freie Szene hart

Theater, Museen und Konzertbühnen - ab Montag ist auch die steirische Kulturwelt wieder im Lockdown. Staatssekretärin Andrea Mayer hat zwar die Aufstockung der Corona-Hilfen sowie die Verlängerung der Ausfallshaftungen angekündigt, doch gerade in der Freien Szene und im Amateurbereich geht vielen nicht nur das Geld, sondern vor allem auch die Kraft und die Geduld aus.

Mit Pragmatismus reagieren die großen steirischen Kulturhäuser auf den Lockdown: „Wir bedauern, dass die Museen schließen müssen, verstehen aber die Notwendigkeit der Maßnahmen und tragen diese natürlich mit“, sagt etwa Alexia Getzinger vom Universalmuseum Joanneum.

Und Bernhard Rinner von den Bühnen Graz bedauert zwar, dass „viele geprobte Stücke nicht präsentiert werden können und auch Premieren verschoben werden müssen“, ist aber immerhin froh, dass laut aktuellem Stand der Probenbetrieb aufrecht erhalten werden kann, damit „der Spielbetrieb nach dem Lockdown wieder aufgenommen werden kann“.

Freie Szene trifft es hart
Viel härter jedoch trifft es die Freie Szene und den Amateurbereich: „Wir hatten nach dem letzten Lockdown bereits mit einem Publikumsrückgang von 30 Prozent zu kämpfen“, sagt Lidija Krienzer-Radojevic von der IG Kultur Steiermark. „Dazu kommt das Problem, dass vor allem in ländlichen Regionen die Förderungen der Gemeinden für Kulturarbeit wegen der teuren Corona-Maßnahmen heuer ohnehin oft gekürzt oder komplett gestrichen wurden.“

Der Lockdown treffe also auf eine Szene, die ohnehin am Boden liege und langsam stelle sich die Frage, „wie viele noch die Kraft haben, wieder aufzustehen“. Zudem, so Krienzer-Radojevic, sei das Vertrauen in die Politik „mittlerweile auf null, weil wir seit Beginn der Pandemie bestenfalls peripher behandelt werden“.

Hunderte Stunden Arbeit waren umsonst
Davon kann auch Michael Pelitz vom Konzertveranstalter Platoo ein Lied singen: „Wir haben hunderte Stunden Arbeit in die Organisation eines Festivals gesteckt. Doch wegen der politischen Unentschlossenheit und der Zauderei in diesem Land ist all das zum Trockentraining geworden“, sagt er frustriert. Mehrmals hat er mit seinen Mitstreitern das Autumn Leaves geplant und umgeplant, die Sicherheitskonzepte auf die jeweiligen Vorgaben angepasst - und muss nun trotzdem zum wiederholten Male absagen. „Auch viele andere in der Szene sind frustriert und ausgelaugt und manche erwägen sich gänzlich zurückzuziehen“, berichtet er.

Ob da die Ankündigungen von Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer helfen, die am Freitag verkündete, dass die Corona-Hilfen verlängert und aufgestockt werden, wird sich wohl erst zeigen. Krienzer-Radojevic jedenfalls sieht in der Kultur „eine Möglichkeit, wie man in einem gespaltenen Land die Teilnahme an der Gesellschaft wieder stärken kann. Vor allem die vielen kleinen Veranstalter in den Regionen können hier eine wichtige Rolle spielen“. Vorausgesetzt es gibt sie noch.

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