04.11.2021 17:30 |

Keine Erben

Vier Salzburger vererbten dem Staat ihren Nachlass

„Gibt es keine Erben, erbt der Staat“. Diese viel zitierte Regelung tritt in Salzburg nur äußerst selten ein. Gerade einmal viermal gingen im vergangenen Jahr „erblose Nachlässe“ an den Bund, heißt es auf Anfrage aus dem Justizministerium.

Die Zahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr wurden salzburgweit exakt 5244 Verlassenschaftsverfahren eröffnet. Gerade einmal vier Nachlässe davon gingen dabei an den Staat.

Damit liegt Salzburg an vorletzter Stelle. Tirol zählt 15 derartige Fälle, das Burgenland drei. Wien führt mit 41 „erblosen Nachlässen“ im Bundesvergleich.

Auf ähnlich niedrigem Niveau zeigt sich die Entwicklung auch im heurigen Jahr: Salzburgweit „erbte“ der Staat gerade einmal achtmal, heißt es auf „Krone“-Anfrage aus dem Wiener Justizministerium. Wie viel der Staat damit jährlich einnimmt, ließ das Ministerium allerdings offen.Die Erbrechtsreform

wirkt sich kaum ausSämtliche Befürchtungen, dass der Staat durch die Erbrechtsreform 2017 „mehr erben könnte“, dürften sich damit wohl nicht bestätigen.

Der Grund dafür findet sich im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB). Nach § 750 Abs 1 kommt der Bund nur dann zum Zug, „wenn kein zur Erbfolge Berechtigter vorhanden ist und auch sonst niemand die Verlassenschaft erwirbt“.

Heißt: Wenn weder gesetzliche, testamentarische oder vertragliche Erben vorhanden sind, noch Ersatzerben oder anderwertig Berechtigte, kommt es zur „Aneignung“. Eigens bestellte Verlassenschaftskuratoren verwalten dann die Verlassenschaft. Ob ein Nachlass tatsächlich erblos ist, haben die dafür zuständigen Gerichte festzustellen.

Für den Staat sind die „erblosen Nachlässe“ allerdings nicht immer günstig: Der Bund muss, sofern vorhanden, auch die Schulden tilgen, Auflagen und Vermächtnisse erfüllen.

 Salzburg-Krone
Salzburg-Krone
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Donnerstag, 09. Dezember 2021
Wetter Symbol
(Bild: Krone KREATIV)