09.10.2021 06:00 |

„Geschönte“ Umfragen

Gewichtiger Medienmacher mitten im Zwielicht

Der Medienmacher Wolfgang Fellner ist schon länger höchst umstritten. Zuletzt vor allem wegen seiner Geschäftsmodelle oder auch aufgrund seines Umgangs mit Damen. Jetzt ermittelt auch die Justiz gegen ihn.

Wolfgang Fellner fliegt gerne mal nach Ibiza. So wie letzten Freitag. Auf der noblen Insel ahnte der umtriebige Medienmanager noch nicht, dass einige Tage später die Polizei vor seiner „Österreich“-Tür in Wien stehen würde. Hausdurchsuchung. Die WKStA ermittelt gegen Wolfgang und seinen Bruder wegen Untreue und Bestechlichkeit.

Die Ermittler hegen den Verdacht, Akteure aus dem türkisen Umfeld im Finanzministerium hätten 2016 Medienkooperationen mit der Fellner-Gruppe geschlossen, zum Vorteil von Sebastian Kurz.

Schwerwiegende Anschuldigungen
Es geht um geschönte Umfrageergebnisse, gefällige Berichterstattung für den türkisen Jungstar. Die Gegenleistung in Form von Inseraten übersteige laut Ermittlern die Grenze von einer Million. Alle Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung. Fellners Geschäftsmodell ist speziell. Armin Thurnher vom „Falter“ nennt es „Fellnerismus“. Etwas, das sich durch die Ermittlungen verdeutlicht.

Geld für wohlfeile Berichterstattung. Es gibt überlieferte Zitate, wonach Fellner anruft und sagt, „gib mir Inserate, sonst schreib ich dich runter“. Angesiedelt im Graubereich zur Korruption bzw. Erpressung.

„Einnahmequelle Kurz“
Ex-Kanzler Christian Kern (SPÖ) wollte sich auf das schmutzige Spiel nicht einlassen. Gab dem Gewichtigen weder Interviews noch Inserate. Fellner schwenkte auf Kontrahent Kurz um. Kern später: „Ich war für Fellner Bedrohung, Kurz eine Einnahmequelle.“

Heute bekommt dieser Satz eine besondere Note. Unabhängig davon bedient der bald 67-Jährige Klischees des alten weißen Mannes, der sich seiner Macht bewusst ist.

So haben sich drei ehemalige Mitarbeiterinnen beschwert, er habe sie sexuell belästigt – Fellner bestreitet das. Es wird prozessiert. Dokumentiert sind rassistische Sprüche. Live auf Sendung.

Fellner scheint unberührt
Am Donnerstag parlierte er mit einem rechtskräftig verurteilten Journalisten im hauseigenen Sender. Man machte sich über die aktuelle Causa lustig. Ob die Justiz das auch so lustig findet? Auf die Delikte Untreue und Bestechlichkeit stehen bis zu zehn Jahre Haft.

Erich Vogl
Erich Vogl
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