Seit Juli ist Oberst Günther Salzmann neuer Leiter der Landesverkehrsabteilung Tirol. Mit der „Krone“ sprach der Polizist über neue Gefahren im Straßenverkehr, fatale Fehleinschätzungen von Autofahrern und Testgeräte, die die Tiroler Polizei in Zukunft vermehrt einsetzen wird.
Die Zahl der Verkehrsunfälle und der Unfallopfer geht tendenziell zurück. Wie schaut es heuer aus und was plant die Polizei?
18 Verkehrstote sind in diesem Jahr bisher in Tirol zu beklagen. Eine traurige Bilanz. Dennoch: Über die Jahre ist die Zahl der Unfallopfer gesunken. „Zufrieden können wir nur mit der Opferzahl 0 sein“, betont Günther Salzmann. Der gebürtige Steirer ist seit 1988 in Tirol und übernahm im Juli die Leitung der Landesverkehrsabteilung. Er sieht die Kontrollen der Polizei neben Präventionsarbeit als unverzichtbare Säule für mehr Sicherheit: „Das ist keine Schikane, sondern schlicht und einfach Notwendigkeit. “
Am 1. September traten die neuen Höchststrafen für Raser in Kraft. Sinnvoll oder überzogen?
Das Raserpaket sieht empfindliche Strafen für jene vor, die die erlaubte Geschwindigkeit extrem überschreiten. Höhere Geldstrafen und längerer Führerscheinentzug warten auf Unbelehrbare. Salzmann: „Die Gesetze macht nicht die Exekutive. Faktum ist aber, dass überhöhte Geschwindigkeit die häufigste Ursache für schwere Unfälle mit Verletzten und Todesopfern ist. Also erscheint mir die Verschärfung als sinnvoll.“
Ablenkung am Steuer. Wie gefährlich und wie weit verbreitet ist das Telefonieren am Steuer?
Eine Sekunde nicht auf den Verkehr geachtet. Bei 100 km/h bedeutet das 28 Meter im Blindflug. Diese Auswirkungen seien vielen einfach nicht bewusst, konstatiert Oberst Salzmann. Und was lenkt Autofahrer vor allem ab? Das Handy! „Mehr als 8700 Übertretungen haben wir heuer in Tirol bereits festgestellt. In den vergangenen Jahren waren es im Schnitt 14.000 – Tendenz weiter steigend.“
Bei länderübergreifenden Motorrad-Schwerpunktkontrollen wurden heuer fast 740 Übertretungen geahndet. Sind Biker besonders unvernünftig?
„Wir führen diese Kontrollen an sehr frequentierten Straßen wie der Arlbergstrecke durch. An schönen Tagen ist dort viel los und das Unfallrisiko hoch. Unsere Präsenz soll darauf aufmerksam machen“, erklärt Salzmann den Zweck der Aktionen. Der Großteil der Biker sei jedoch vorbildlich unterwegs. Das spiegelt auch die Unfallstatistik wider. Die Zahl der Motorradunfälle mit Todesopfern sank in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Salzmann: „Und das bei steigender Frequenz.“
Auch die Zahl der Radfahrer im Straßenverkehr nimmt zu, Stichwort E-Bike- und Rennrad-Boom. Wie wirkt sich das auf das Unfallgeschehen aus?
Österreichweit gab es 2020 so viele Radunfälle wie noch nie seit Aufzeichnungsbeginn. „Bei einem Drittel der Verkehrsunfälle mit Verletzten sind Radfahrer beteiligt“, bestätigt Salzmann die besorgniserregende Entwicklung. Selbstüberschätzung und mangelnde Rücksichtnahme unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer nennt er als häufige Unfallursache: „Die Verkehrsfläche ist begrenzt. Es bedarf besonderer Aufmerksamkeit, wenn viele diesen Raum nutzen wollen.“ Den Helm sieht der Polizist als unverzichtbares Utensil für Radfahrer.
Drogen am Steuer. Welche neuen Kontrollmethoden hat die Polizei?
Die Alkoholkontrollen sind mittlerweile sehr effektiv. Genaue Drogentests gibt es erst seit Kurzem: 418 Drogenlenker wurden im Vorjahr in Tirol aus dem Verkehr gezogen. Mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor. „Diese extreme Steigerung ist vor allem durch bessere und genauere Kontrollmethoden zu erklären“, erläutert Salzmann. Er verweist auf neue Drogen-Vortestgeräte, geschulte Polizisten und die Zusammenarbeit mit Ärzten. Dies habe die Drogenkontrolle effektiv gemacht.
Der Verkehrslärm macht vielen zu schaffen - und der Polizei Arbeit? Stichwort Lärmobergrenze im Außerfern. Wie schaut die Bilanz für heuer aus und wie kann die Polizei für Ruhe sorgen?
„Unser Instrument ist die Kontrolle. Im Außerfern wird das vor allem von Kollegen in den Bezirksstellen durchgeführt“, informiert Salzmann. Bei Aktionen der Landesverkehrsabteilung habe sich gezeigt, dass sich die Biker großteils gut auf die Bestimmungen einstellen. Als wachsendes Konfliktthema nennt der erfahrene Polizist Mopedlärm in Wohngebieten. Neue Messgeräte wurden angeschafft. Mit ihnen werden Grenzwertüberschreitungen festgestellt.








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