21.06.2021 17:00 |

Albträume

Wenn „Monster“ den Schlaf rauben

Man läuft und läuft, aber die Beine scheinen am Boden zu kleben. Wie in Zeitlupe bewegt man sich vorwärts und schon streckt der Verfolger seinen Arm aus oder ein Monster nähert sich. So oder ähnlich spielen sich viele Albträume ab, die mit dem plötzlichen Aufschrecken aus dem Schlaf ihr Ende finden. Wann ist Hilfe erforderlich?

Albträume sind Träume mit bedrohlichen, meist angstauslösenden Inhalten. Sie „stehlen“ so manchem hin und wieder eine ruhige, angenehme Nacht - sind jedoch auch mehr als bloße Schlafräuber. Vielmehr zeigen sie an, dass uns etwas Unerledigtes bzw. Unbewältigtes in unserem tiefsten Inneren belastet. Sie können aber auch ein Zeichen unterdrückter Fantasien und Wünsche sein. „Die Beschäftigung mit dem Traum im Zuge einer Psychotherapie dient der Bewältigung der Stressoren und der angstauslösenden Faktoren sowie in weiterer Folge der Genesung“, erklärt Prim. Dr. Christoph Silberbauer, Leiter der Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin am Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck, OÖ. „Albträume drücken weiters Angst aus. Besonders oft sind deshalb auch Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen, wie zum Beispiel nach Gewalterfahrungen oder Unfällen, betroffen. Wenn diese gehäuft auftreten und zu anhaltenden Schlafstörungen führen, besteht Handlungsbedarf, wobei eine Abklärung im Rahmen eines psychiatrischen Gesprächs erfolgen sollte.“

Behandlung mit Psychotherapie

Albträume können nur in einem begrenzten Maß medikamentös behandelt werden. Daher kommen psychotherapeutische Methoden, wie bereits erwähnt, zum Einsatz - übrigens mit guten Erfolgen. Spezielle Verfahren, wie die einfach anwendbare „Imagery Rehearsal Therapy“ (Methode, die hilft, Träume bewusst zu verändern), zeigen ebenfalls eine gute Wirkung, so der Experte. Grundsätzlich können Albträume zudem bei einer Vielzahl psychischer Erkrankungen auftreten, oft gemeinsam mit weiteren Schlafstörungen. Die Träume werden in diesen Fällen als Frühwarnzeichen bewertet, die eine Optimierung einer bestehenden medikamentösen Behandlung durch den Facharzt erfordern.

Corona und Albträume

Die Pandemie muss nicht für jeden eine große belastende Wirkung darstellen. Falls sie aber existenzbedrohende Folgen nach sich zieht und man etwa seine Miete aufgrund finanzieller Einbußen nicht mehr bezahlen kann, wirkt sich diese Stresssituation bei vielen negativ auf den Schlaf aus - und kann Albträume zur Folge haben. Auch hier rät der Experte bei anhaltenden und wiederkehrenden Albträumen zu einer psychiatrischen Abklärung, um Schlimmeres zu verhindern, denn: „Permanente Schlafstörungen sind ein Risikofaktor, weil sie die Entwicklung einer Depression fördern. Aber auch körperliche Erkrankungen wie Diabetes oder Herzleiden können die Folge sein.“

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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