Unliebsame Mitbewohner

Beschwerden über nistende Tauben nehmen zu

Erst wird gegurrt und gebalzt, dann genistet: Wiens Stadttauben sind derzeit nicht nur auf der Suche nach passenden Partnern, sondern auch nach dem Brutplatz fürs Leben. Fündig werden sie oftmals auf Balkonen - zum Leidwesen der Bewohner. Welche Ursachen die plötzliche Taubenansiedelung haben kann und wie sich diese von vornherein vermeiden lässt, hat die Tierschutzombudsstelle Wien in einem Merkblatt für Anrainer und Hausverwalter zusammengefasst.

Zwar sind Stadttauben das ganze Jahr über brutaktiv, doch ist jetzt die Zeit, in der sie neue Nistplätze suchen. „Ein offener Dachboden, der Schutz gegen Fressfeinde, Wind und Wetter bietet, wäre der Täubin am liebsten“, weiß Eva Persy. Mangels Angebot entschieden sich viele der graugefiederten Generalisten jedoch für die Freiluftvariante und beziehen nicht oder wenig benützte Balkone.

Tauben bleiben Standorten treu
Dort kann das Taubenpaar bis zu sechsmal im Jahr brüten und so für rund zwölf Nachkommen sorgen. Das Problem: „Tauben sind sehr standorttreu. Hat sich der Balkon einmal bewährt, dann werden die Tiere ihn von sich aus nie wieder aufgeben“, so Persy. Beschwerden über Verunreinigungen am Haus und das laute Gurren der Tiere bereits zeitig in der Früh sind die Folge.

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Wir verzeichnen derzeit verstärkt Meldungen von Wienerinnen und Wienern, die ein Problem mit nistenden Tauben in ihren Wohnhausanlagen haben. Aber es ist wichtig zu wissen: Die Tauben lassen sich nicht ohne Grund an einer bestimmten Stelle nieder.“

Eva Persy, Leiterin der Tierschutzombudsstelle Wien

So können Bewohner, Vermieter und Verwalter in Wohnanlagen das Problem entschärfen oder sogar vermeiden:

  • Balkonmanagement: Balkone von leerstehenden Wohnungen sollten vernetzt werden. Mobile Systeme mit Teleskopstangen, Spanndrähten und Netzen mit einer Maschenweite von fünf Zentimetern sollten für die temporäre Montage vorrätig gehalten werden. Werden Balkone von bewohnten Wohnungen nicht benützt, sollten sie entweder wöchentlich von den Mietern auf nistende Tauben kontrolliert oder ebenfalls vernetzt werden. Achtung: Auch Blumenkisterl, Pflanzentröge und Markisenkästen auf mögliche Gelege kontrollieren!
  • Instandhaltung der Wohnanlage: Meist halten sich Tauben in den obersten Etagen eines Gebäudes auf, doch sind in nicht frequentierten Lichthöfen die Kellertüren oder -fenster beschädigt, dann wird auch dieser Bereich als geschützte Nistmöglichkeit angenommen.
  • Schrägbleche: Seitlich geschlossene Abschrägungen aus Blech, die auf die Gebäudesimse montiert werden, verhindern, dass die Tauben am Ort verweilen. Der Neigungswinkel zur Waagerechten sollte mindestens 50 Grad betragen.
  • Bitte nicht füttern: Die Kombination aus Futterangebot und Nistplatzmöglichkeit ist für Tauben wie ein Sechser im Lotto. In und vor Wohnhausanlagen sollte das Füttern strikt unterlassen/untersagt werden.

Bereits Eier abgelegt
Wenn sich bereits ein Taubenpaar eingenistet hat, dann muss das Nest entfernt und konsequent jeder weitere Brutversuch verhindert werden. „Ist der Nachwuchs schon geschlüpft, dann bleibt jedoch nichts anderes übrig als abzuwarten“, so Eva Persy. Im Alter von vier Wochen werden die Küken flügge und verlassen das Nest. „In dem Fall kann erst danach mit den Sanierungsmaßnahmen begonnen werden.“

Tierschutzombudsstelle Wien gibt praktische Tipps
In diesem Merkblatt gibt es ausführlichen Informationen wie sich ein Problem mit Stadttauben in Wohnhausanlagen tiergerecht vermeiden lässt. Den kostenfreien Download finden Sie hier: www.tieranwalt.at

Hilfe für verletzte Tauben:
Das Wildtierservice des Forst- und Landwirtschaftsbetriebes der Stadt Wien kümmert sich um in Not geratene Stadttauben. Wenn Sie ein krankes, verletztes oder sich in einer Notlage befindliches Tier (zum Beispiel eingesperrt in Netzen oder Gebäuden) entdecken, dann kontaktieren Sie bitte die Hotline der MA 49 unter Tel.: 01-4000 49090 (täglich 7.30 Uhr bis 22 Uhr).

 Tierecke
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Sonntag, 20. Juni 2021
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