02.11.2004 10:06 |

Handtuch geworfen

Berti Vogts ist nicht mehr Trainer der Schotten

Berti Vogts ist in Schottland endgültig gescheitert. Nach teilweise verheerenden Ergebnissen und heftiger Kritik trat der 57-Jährige am Montagabend als Trainer der schottischen Fußball-Nationalmannschaft zurück und setzte damit einen Schlusspunkt unter wochenlange Spekulationen. Die Trennung erfolgte "in gegenseitigem Einverständnis", teilte der schottische Fußball-Verband (SFA) mit.
Damit hat Vogts schon zum zweiten Mal als Coacheiner Nationalmannschaft das Handtuch geworfen: Auch als DFB-Bundestrainerwar der Fußballlehrer an einem Montagabend, am 7. September1998, angesichts des großen öffentlichen Drucks zurückgetreten.Er habe damals nach dem Scheitern bei der WM "den letzten RestMenschenwürde" verteidigen wollen. Es folgte ein glücklosesIntermezzo beim Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen.
 
"Schimpfliche Behandlung"
Vogts machte diesmal seine "schimpfliche Behandlung"durch einzelne Fans sowie eine Hetzkampagne der Boulevardpressefür seinen Schritt verantwortlich. In schottischen Presseberichtenwar schon vor Wochen über eine Entlassung des Deutschen spekuliertworden. Wegen der fast verspielten Qualifikation für dieWM 2006 war der Weltmeister von 1974 in Ungnade gefallen. Schottlandhatte aus den ersten drei WM- Qualifikationsspielen nur zwei Punktegeholt. In insgesamt 31 Länderspielen errang Vogts, der imFebruar 2002 nach Schottland gekommen war, nur acht Siege.
 
Schwieriger Abschied
In einer persönlichen Erklärung teilteder frühere Bundestrainer mit, er schließe das schottischeKapitel seiner Fußballkarriere "mit großem Zögern"und "schweren Herzens" ab: "Ich muss sagen, dass der Hauptfaktorbei dieser Entscheidung die schimpfliche Behandlung gewesen ist,die ich vor allem in letzter Zeit durchlitten habe." Er sei sogarbespuckt worden. "Das ist kein akzeptables Verhalten in einerzivilisierten Gesellschaft." Zwar müsse man sich als Persondes öffentlichen Lebens vieles gefallen lassen, "aber mittlerweilehat dies ernsthafte Auswirkungen auf mein Privatleben".
 
Kritik an Boulevardpresse
Scharf griff Vogts die Medien an: "Was diese Handlungenbewiesen haben, ist die unakzeptable Macht der Boulevardpresse,die Leserschaft zu beeinflussen. Die Meinungen, die meist vonJournalisten mit nur begrenztem Fußballverstand geäußertwurden, hatten auf einige Fans eine enorme Auswirkung. Im öffentlichenLeben sind die Medien in der Lage, eine Person hochzuschreibenoder auch zu brechen, und das ist nicht zu rechtfertigen." Vonseinen Spielern habe er jedoch immer vorbehaltlose Unterstützungerfahren: "Ich bin wirklich stolz auf sie alle und auf ewig dankbar.Good luck, boys."
 
Allgemeine Desillusionierung
Der britische Fernsehsender BBC kommentierte denRücktritt mit den Worten: "Dem schottischen Fußballzum Erfolg zu verhelfen, war eine nahezu unmögliche Aufgabefür Berti Vogts. Er hatte dafür nie die nötigenSpieler." Mittlerweile sei ein Wechsel aber unvermeidlich geworden.Auch Vogts sei am Ende desillusioniert gewesen. Als Nachfolgerwurden der frühere Rangers-Trainer und jetzige Everton- CoachWalter Smith sowie Gordon Strachan gehandelt.