29.03.2021 10:20 |

Region Okzitanien

Im Märchenschloss Carcassonne in Südfrankreich

Nicht nur Walt Disney „verliebte“ sich in die Mittelalterstadt Carcassonne. Sie ist nur eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten neben ursprünglichen Märkten und dem weißen Gold an der Mittelmeerküste in der Region Okzitanien in Südfrankreich.

Weiß wie Schnee glitzert es in der Sonne und blendet beim Blick über die 400 ha große Fläche. Hier im südfranzösischen Gruissan in der Region Okzitanien werden pro Jahr ca. 30.000 Tonnen Meersalz gewonnen. Zwei Monate dauert es, bis das abgepumpte Meerwasser durch Hitze und Wind verdunstet, das Salz kristallisiert und das weiße Gold geerntet werden kann. Das edelste davon - das Fleur de Sel (Salzblume) - wird händisch mit Schaufeln von der Oberfläche abgetragen. Von seiner kulinarischen Qualität kann man sich direkt vor Ort gleich verzaubern lassen. Fisch in Salzkruste und Meeresfrüchte wie z. B. Austern genießt man mit freiem Blick auf die Salzfelder.

Dass gutes Essen in Frankreich einfach dazugehört, ist kein Geheimnis und zeigt sich auch an den Markthallen der Städte. Sei es in Narbonne, Nîmes oder Montpellier. Denn Einkaufen ist hier keine einfache, schnelle Angelegenheit, die Markthallen eine Institution. Es wird gustiert und sich dafür viel Zeit genommen. Eine Käsesorte bei diesem Stand, eine andere beim nächsten. Aber auch ein kleinerer Ort, wie das bezaubernde Uzès mit seinen schmalen Gässchen, hat seinen eigenen Markt.

Ausgehend vom Place aux Herbes mit den Kaufmannshäusern und Arkadengängen, verwandelt sich samstags die ganze Stadt in einen riesigen Marktplatz und lädt zum Bummeln ein. Kurz vor 8 Uhr morgens wird hier noch fleißig am Aufstellen der Stände und Herrichten der Waren gewerkt, während sich bereits die ersten Kunden zwischen reschem Baguette, buttrigen Croissants und frischem Fisch tummeln, stets den Duft von Käse oder getrocknetem Lavendel in der Nase. Seifen, Honig, Würste, bunte Keramik - alles lässt sich hier finden. Und mittendrin erklärt ein Bäcker noch einer interessierten Kundin die Legende, wie das Kipferl während der Türkenbelagerung in Wien entstanden ist.

Eine andere Entstehungsgeschichte erwartet uns in Nîmes. Wer hätte gedacht, dass hier der modische Siegeszug der Jeans ihren Anfang nahm? Heute noch sprudelt die Quelle des römischen Heiligtums, dem Nîmes seinen Namen zu verdanken hat. 25 v. Chr. wurde sie dem Gott Nemausus geweiht und diente ab dem 17. Jh. auch zur Textilproduktion, für die die Stadt damals bekannt war und der sie auch einen gewissen Wohlstand zu verdanken hatte. Ein robuster Stoff, der durch ein spezielles Webverfahren entstand, die „Serge de Nîmes“, wurde in den USA kurzerhand zu „Denim“.

Nîmes hat den Namen „französisches Rom“ nicht von ungefähr. Schon im 1. Jh. n. Chr. benötigte die ständig wachsende Stadt dringend mehr Frischwasser, unter anderem für die römischen Bäder und Latrinen. Geliefert wurde dieses über ein wahres technisch-architektonisches Meisterwerk, welches sich heute noch über den Gardon spannt. Der Pont du Gard, das drei Etagen hohe Aquädukt, ist der am besten erhaltene Teil der ehemals 50 km langen Wasserleitung zwischen Uzès und Nîmes.

Bis ins 19. Jahrhundert war das Amphitheater bewohnt
Auch das 24.000 Zuseher fassende Amphitheater stammt aus dieser Zeit - Vorbild dafür war nichts Geringeres als das Kolosseum von Rom - und kann auf eine ereignisreiche Geschichte zurückblicken. Im 14. Jh. diente es als Rückzugsort vor Angreifern. Meterhoch wurde Erde aufgeschüttet, um einfachste Wohnhäuser zu errichten. Bis Anfang des 19. Jh. lebten hier noch rund 2000 Personen. Erst nach deren Umsiedelung wurde der Schutt wieder abgetragen und das ursprüngliche Bauwerk trat zutage. Heute dient es in seiner imposanten Ovalform immer noch als Veranstaltungsstätte für Konzerte, Römerspiele, aber auch Stierkämpfe.

Auch hinter dem Stadtwappen steckt eine interessante Geschichte. So mancher Besucher stellt sich die Frage: Was macht ein Krokodil in Nîmes? Denn das Wappen, das man auch auf Bronzenägeln in den Pflastersteinen der Altstadt findet, zeigt ein Krokodil mit Palme. Diese heutige Neuinterpretation stammt übrigens aus der Feder des Star-Designers Philippe Starck aus dem Jahr 1986.

Zu verdanken ist dieses Motiv allerdings einer römischen Münze, die zu Ehren des Sieges der Römer über Kleopatra im Ägypten-Feldzug geprägt wurde. Da sie vielerorts zu finden war und die Einwohner Nîmes im Laufe der Jahrhunderte „ihr“ Krokodil lieb gewonnen hatten, stellten sie 1535 den Antrag, es in das offizielle Stadtwappen aufnehmen zu dürfen. Seither ist es aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken, wie auch der Brunnen auf der Place du Marché zeigt.

Genauso wenig wie Dame Carcas, die - einer netten Legende nach hat sie die Stadt vor der Eroberung durch Karl den Großen gerettet - auch heute noch über dem Eingang zum mittelalterlichen Carcassonne wacht. Wer bis jetzt dachte, dass es sich dabei nur um ein Brettspiel handelt, wird hier eines Besseren belehrt. Zugbrücke, Burggräben, insgesamt 52 Türme und Zinnen - genau so stellt man sich eine mittelalterliche Burg vor.

Das dachte wohl auch Walt Disney, als er Carcassonne als Vorbild für Dornröschens Märchenschloss auswählte. Und seitdem diente die Festung auch vielen Filmproduktionen als perfekte Kulisse. Zu verdanken ist der heutige gute Zustand unter anderem dem berühmten französischen Architekten Eugène Viollet-le-Duc, der 1853 mit der Restaurierung der verfallenen Reste begann. Innerhalb der doppelten ca. drei Kilometer langen Stadtmauer schlängeln sich enge Gässchen, gemütliche Plätze laden zum Rasten ein - vielleicht auch zu einer Partie Carcassonne ...

Elisabeth Salvador, Kronen Zeitung

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