28.03.2021 05:00 |

Zukunftsweisend

Taskforce Pflege: Schon wieder eine Arbeitsgruppe?

Beim Pflegethema sollen Experten jetzt endlich eine zukunftsorientierte Lösung finden. Das ist auch hoch an der Zeit, denn insgedamt sind bereits etwa 1,5 Milionen Menschen in Österreich davon betroffen.

Jeder kennt die Redewendung: „Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis“. Damit wurde schon manches Problem auf Eis gelegt. Das darf bei einem der wichtigsten gesellschaftlichen Anliegen nicht passieren. Betroffen sind 460.000 Pflegegeldbezieher und ihre Familien - macht in Summe fast 1,5 Millionen Menschen.

Die Kosten steigen immer weiter. Seit Anfang 2020 gibt es die Taskforce Pflege, eigens gegründet, um neue Ideen dafür zu entwickeln. Jetzt ist ein erster Bericht mit 40 Seiten erschienen. Die Formulierungen klingen oft etwas sperrig: „Pflegende An- und Zugehörige werden mittelfristig weiter eine zentrale Rolle im Pflegesystem einnehmen, sie sind durch eine Reihe von Maßnahmen zu unterstützen und zu stärken.“ Ingrid Korosec übersetzt dies wie folgt: „Auf gut Deutsch ist damit gemeint: ,Die Familien schultern den Hauptteil der Pflege, macht ihnen das Leben leichter, sonst wird es kritisch.‘ Oder: ,Das Pflegegeldsystem wird auf die Treffsicherheit für spezielle Zielgruppen (insb. Menschen mit demenzieller Beeinträchtigung) in Hinblick auf Zuschläge adaptiert.‘“ Das zeigt, dass Demenz bei der Einstufung für das Pflegegeld bisher viel zu wenig berücksichtigt wurde.

Viele Probleme, mit denen Betreuungsbedürftige, aber auch Mitarbeiter in den Heimen und mobilen Diensten kämpfen, wurden erkannt und zusammengestellt. Dazu kommt so einiges, was Finanzierung, Verwaltung und die Zusammenarbeit von Bund und Ländern betrifft. Prävention und Rehabilitation erhalten einen wichtigen Stellenwert. Je länger man vieles selbst erledigen kann, umso besser die Lebensqualität. Es soll auch endlich ausreichend Geld für Schmerztherapie und Hospizwesen in die Hand genommen werden.

Ingrid Korosec: „Taskforce Pflege - was ist das?“
Im Laufe der „Krone“-Pflegeserie wurde mehrfach die Taskforce Pflege erwähnt. Aber was tut die eigentlich? Es handelt sich um eine Arbeitsgruppe, die gemeinsam mit dem Sozialminister Ideen für eine neue, bessere Pflege und Betreuung in Österreich entwickelt. Es arbeiten Vertreter aller Gruppen, die zu dem Thema etwas zu sagen haben, mit: Betreuungspersonal, pflegende Angehörige, Heimbetreiber, Anbieter mobiler Dienste wie Caritas oder Volkshilfe, Behindertenverbände u. v. m. Ich trete dort für die Interessen der besonders Betroffenen ein, jener älteren Menschen, die Unterstützung im Alltag benötigen. Natürlich hat jedes Mitglied der Taskforce seine eigene Sichtweise auf die jeweiligen Fragen. Das ist normal und auch gut so, denn die Vielzahl der Ideen gibt allen neue Denkanstöße. Trotz dieser „Vielstimmigkeit“ besteht Einigkeit, was die Hauptprobleme sind: Pflegende Angehörige tragen die Hauptlast, mehr als in vielen anderen Ländern.

Welche Pflege sich jemand zu Hause leisten kann, hängt davon ab, wo er/sie wohnt, denn Kosten und Angebot sind nicht überall gleich. Aber auch die Definition, was „gute“ Betreuung ist, gestaltet sich von Bundesland zu Bundesland verschieden. In der Verwaltung gibt es wichtige Punkte zu verbessern: Die Finanzierung der Betreuung durch die öffentliche Hand ist kompliziert. Für die Menschen ist es meist sehr aufwändig, die Pflege zu organisieren und an alle nötigen Informationen heranzukommen. Es gibt jetzt schon zu wenig Personal, weil die Arbeit anstrengend und nicht besonders gut bezahlt ist. Mit all diesen Punkten beschäftigte sich die Arbeitsgruppe in den letzten Monaten. Heraus kam ein erster Vorschlag, in welche Richtung die Reise gehen soll - für Interessierte im Internet nachzulesen. Die vorhandene Skizze mit konkreten Inhalten „auszumalen“, das ist nun die nächste Aufgabe.

Kontakt:Ingrid Korosec, Österreichischer Seniorenbund, Lichtenfelsgasse 7, 1010 Wien

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