03.03.2021 09:35 |

B.1.1.7-Anteil steigt

Drosten warnt: Schnelle Lockerungen „blauäugig“

Der deutsche Top-Virologe Christian Drosten, ein weltweit führender Experte für Coronaviren, hat im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ am Dienstag vor schnellen Lockerungen gewarnt und erneut die Wichtigkeit einer schnellen Impfkampagne betont. Er zeigte zwar Verständnis für Wünsche nach Lockerungen, mahnte aber gleichzeitig zur Vorsicht. Der Anteil der britischen Variante B.1.1.7 wachse stetig weiter und auch die wärmere Jahreszeit werde das Problem nicht beseitigen.

Laut Drosten sei es „ein wirklich schwieriges Spiel, wenn man jetzt allzu schnell Lockerungen macht“. Es bestehe sonst die Gefahr, „einfach blauäugig in eine Situation“ hineinzulaufen.

B.1.1.7 breitet sich weiter stark aus
Er schätzte, dass der Anteil der besonders ansteckenden britischen Variante am Infektionsgeschehen in Deutschland mittlerweile rund die Hälfte ausmache. Das deckt sich auch mit heimischen Zahlen, wo der medizinische Krisenstab bereits in der Vorwoche bekannt gegeben hatte, dass 55 Prozent aller Corona-Fälle in Wien auf B.1.1.7 zurückzuführen seien.

Anstieg der Zahlen bei Lockerungen
Drosten warnte davor, dass bei Lockerungen mit einem Anstieg der Neuinfektionen zu rechnen sei. Deutschland befindet sich weiterhin in einem vergleichsweise harten Lockdown, lediglich die Friseure durften am 1. März wieder öffnen, der restliche Handel bleibt vorerst geschlossen. Er hält es für realistisch, dass die Intensivstationen bei zu frühen Lockerungen bereits im Mai wieder stark belastet wären.

Kein nennenswerter Rückgang zu erwarten
Auf die steigenden Temperaturen aufgrund des bevorstehenden Frühlings ist laut Drosten kein Verlass. Er verwies im Podcast auf eine Studie, wonach maximal mit einem Rückgang der Infektionszahlen um 20 Prozent zu rechnen sei. Die derzeitige Lage sei nicht mit dem Frühjahr des Vorjahres vergleichbar, weil die Fallzahlen damals insgesamt niedriger und das Virus noch nicht so großflächig verbreitet gewesen sei.

Wenig Einsicht für Maßnahmen
Inzwischen sei das Virus laut Drosten auch in „schwer erreichbaren Teilen der Gesellschaft“ angekommen, wo es mitunter wenig Einsicht für die Maßnahmen gebe oder diese Botschaften gar nicht erst ankommen würden. Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte unterdessen in einem Gespräch mit Chefärzten, dass es auf den deutschen Intensivstationen einen besonders hohen Anteil an Patienten mit Migrationshintergrund gebe.

Es könnte aufgrund sprachlicher Barrieren zu höheren Ansteckungen in dieser Gruppe kommen. Das sei jedoch ein „Tabuthema“ für die deutsche Bundesregierung - aus Angst vor einer möglichen Rassismus-Debatte.

Impfstoff möglichst rasch verabreichen
Auch in Deutschland ist der langsame Fortschritt bei der Impfkampagne ein großes Problem. Hier plädierte Drosten für mehr Pragmatismus. Es müsse gar nicht alles perfekt laufen. Wichtig sei zunächst einmal, die bald zu erwartenden großen Impfstoffmengen möglichst rasch zu verabreichen, um eine Immunität in der Bevölkerung aufzubauen.

Quelle: NDR/ZDF

Martin Grob
Martin Grob
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