Geringe Aussagekraft

Experte kritisiert „Nasenbohrertests“ scharf

Steiermark
17.02.2021 06:00

Steirer nehmen Virus-Checks sehr gut an. Der „Nasenbohrer-Test“ reicht nun auch für den Frisörbesuch. Mediziner bemängeln jedoch geringe Aussagekraft: „Bald sind wir dann beim Handauflegen!“

Bis zu 40.000 Steirer lassen sich täglich in einer der 23 Teststationen des Landes auf Corona untersuchen - inklusive der Testungen in den Apotheken, Betrieben und Schulen kommt man pro Tag sogar auf bis zu 70.000. Doch Test ist nicht gleich Test. Viele Steirer haben sich zuletzt etwa gewundert, dass nun auch der so genannte „Nasenbohrertest“ vor dem Besuch eines Frisörsalons reicht.

„Selbstaufgabe“
Ob der geringen Aussagekraft ist dies für Experten kein wirklicher Fortschritt im Kampf gegen die Pandemie. „Inzwischen ist man offenbar schmerzbefreit - erst vor zwei Wochen hat es geheißen, diese Tests sind in Schulen okay, aber keinesfalls fürs Freitesten geeignet. Nun gilt nur noch niederschwellig und einfach - aus meiner Sicht gleicht das einer Selbstaufgabe“, nimmt sich Klaus Vander, ärztlicher Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Kages, kein Blatt vor den Mund. „Bald sind wir dann vielleicht beim Handauflegen.“

Aussagekraft liegt bei nur 40 Prozent
Er spricht dabei auf die vergleichsweise geringe „Trefferquote“ dieses Testverfahrens an. „Laut Studien liegt die Aussagekraft zwar bei über 85 Prozent - doch wurde dies nur bei Menschen mit Krankheitssymptomen nachgewiesen.“ Einer Analyse der Gesundheitsagentur Ages zufolge, liegt die Aussagekraft bei asymptomatischen Personen nur bei etwa 40 Prozent. Ähnlich sieht er die Genauigkeit bei Gurgel- und Spucktests. „Gurgeltests waren ja mehr oder weniger nur ein Wiener Phänomen. Beim Spucktest braucht es für ein genaueres Ergebnis Sputum, und dafür muss man sich tief räuspern, Speichel alleine hat eine viel zu geringe Erregerlast.“

Einzig zuverlässige Alternative zu den PCR-Tests bleiben für Vander daher die tiefen Nasen- und Rachenabstriche. „Natürlich kann man die Testmethoden immer weiter vereinfachen - nur muss man dann auch den Qualitätsverlust bei den Ergebnissen in Kauf nehmen. Alles andere wäre Zauberei.“ Marcus Stoimaier

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