07.02.2021 05:00 |

Epilepsie

„Wie ein Druckkochtopf, der explodiert!“

So beschreibt Alexandra Hölbling einen ihrer Anfälle anlässlich des Welttages der Epilepsie am 8.2. Bereits als junges Mädchen traf es sie zum ersten Mal. Die sympathische Kärntnerin hat nie aufgegeben und leitet bereits seit vielen Jahren erfolgreich die „Selbsthilfegruppe Epilepsie Kärnten“.

Der Schock war natürlich groß, als Alexandra Hölbling mit etwa 13 Jahren den ersten epileptischen Anfall in ihrem noch jungen Leben bekam. Das Mädchen überquerte den Zebrastreifen vor ihrer Schule in Ferlach (Ktn.) - und dann Dunkelheit: „Ich war einfach weg, mir fehlt die Erinnerung daran.“ Der Anfall entpuppte sich als Symptom ihrer Autoimmunerkrankung, einer seltenen Schuppenflechte, mit der sie schon lange zu kämpfen hatte. Die medizinische Abklärung verlief anfangs holprig. „1985 gab es hier in der Nähe noch gar kein richtiges EEG (Elektro-Enzephalogramm), um die Hirnströme zu messen, keine richtige Abteilung im Krankenhaus, die sich auf Epilepsie spezialisiert hätte“, blickt die mittlerweile 49-Jährige auf die Anfänge zurück. Schon aufgrund ihrer Hauterkrankung hatte Alexandra Hölbling nicht die leichteste Kindheit und Jugend, wuchs familiär sehr behütet auf. „In der Schule war ich schon immer eher eine Außenseiterin. Dass du ,anders‘ bist, fällt dir mit 16, 17 Jahren dann besonders auf“, erzählt die quirlige Ferlacherin. „Aufgrund des Flackerlichts, das Anfälle auslösen könnte, durfte ich nicht in die Disco gehen. Rauchen und Trinken habe ich natürlich dennoch einmal ausprobiert - mit einem großen Anfall als schlimme Folge.“

Mit Medikamenten die Symptome im Griff
Als die junge Frau mit etwa 19 Jahren „ausgewachsen“ war, konnte ihre Erkrankung mit Medikamenten gut eingestellt werden. Seitdem leidet sie kaum noch an Anfällen. „Zwar könnte die Hormonumstellung in den kommenden Wechseljahren noch etwas bei den Medikamenten ,durcheinanderbringen‘, aber ich bin guter Dinge“, lacht die sympathische Kärntnerin. Glück hatte Alexandra Hölbling auch mit ihrer Berufswahl. „Es ist für uns Betroffene gar nicht so einfach, einen Job zu finden, denn nach wie vor sind Scheu und Ängste der anderen vor dieser Erkrankung groß. Über eine Aktion erhielt ich im Gemeindeamt von Ferlach die Chance, mich nach dem Schulabschluss zu beweisen. Bereits seit 1991 habe ich einen fixen Arbeitsvertrag und bin sehr stolz darauf, mich beruflich stets weiterentwickelt zu haben. Man darf ja nicht vergessen, dass ich täglich Medikamente einnehmen muss, die mitunter auch störende Nebenwirkungen haben.“

Manchmal fühlt sich Alexandra Hölbling daher erschöpft und müde oder kann sich schlechter konzentrieren. „Die Arzneien greifen in meinen Gehirnstoffwechsel ein und wirken dämpfend, das fällt mir natürlich manchmal negativ auf, je nach Tagesverfassung!“ Anfang der 1990er Jahre trat die aktive Frau der Selbsthilfegruppe Epilepsie Kärnten bei, deren Obfrau (Vereinsleiterin) sie bald wurde. Auch die Vernetzung mit den Vertretungen anderer Bundesländer trieb sie erfolgreich voran. „Normalerweise treffen wir uns regelmäßig und tauschen Erfahrungen aus, es gibt auch immer wieder Vorträge. Corona hat uns einen Dämpfer verpasst, derzeit sind wir nur digital in Kontakt. Hoffentlich können wir bald wieder richtig für alle Mitglieder da sein.“

Info zur Epilepsie-Vereinigung Kärnten: 0650 60 20 230

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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