Warten auf Normalität

Lockdown neu: Bis Ostern heißt es durchhalten!

Österreich
18.01.2021 06:00

Die erhofften Lockerungen kommen vorerst nicht, Handel, Schulen, Dienstleister öffnen erst am 8. Februar. Frühestens. Ziel sind jetzt rund 700 Neuinfektionen pro Tag, erreicht werden soll das unter anderem mit dem verpflichteten Tragen von FFP2-Masken und zwei Meter Abstand. Besonders hart trifft der verlängerte Lockdown Tourismus und Gastronomie - sie müssen wohl bis März schließen.

„Viele sagen, wir sollen mutig sein. Öffnungsschritte wären ein kalkuliertes Risiko. Aber das wäre nicht Mut, das wäre Fahrlässigkeit.“ Aufgrund weiterhin hoher Zahlen und der Unberechenbarkeit der britischen Virus-Mutation verkündete Bundeskanzler Sebastian Kurz am Sonntag, wie erwartet, eine Verlängerung des bestehenden Lockdowns.

(Bild: APA/Georg Hochmuth)

Flankiert wurde er nicht wie gewohnt von seinen Regierungskollegen, sondern vom Vizerektor der MedUni Wien, Oswald Wagner, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, dem Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz Hermann Schützenhöfer und Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Der Schulterschluss von Regierung mit Opposition und Experten sollte die Notwendigkeit unterstreichen, das Leben der Österreicher weiter stark einzuschränken.

(Bild: Krone KREATIV, Fotos: stock.adobe.com)

So verlaufen die nächsten Wochen:

  • Bis 7. Februar bleibt das Land im Lockdown, die derzeit gültigen Ausgangsbeschränkungen aufrecht. „Nicht jedes Datum hat in der Krise bisher gehalten – das kann auch jetzt so sein“, relativierte Kurz. Das Ziel ist, die Sieben-Tages-Inzidenz auf 50 zu drücken. Das wären 700 Neuinfektionen pro Tag, etwas mehr als die Hälfte des Wertes vom Sonntag.
  • Sinken die Zahlen bis Anfang Februar ausreichend, werden als Erstes Schulen, Handel, Museen, Bibliotheken und Dienstleister wie Friseure wieder öffnen.

  • In Wien und Niederösterreich wechseln die Schulen damit nach den Semesterferien in den Präsenzunterricht. In den anderen Bundesländern eine Woche später, die Steiermark und Oberösterreichverlegen die Ferien um eine Woche vor. Statt Normalbetrieb soll es Schichtbetrieb geben.
  •  In der Öffentlichkeit wird aus dem Babyelefanten die Kuh: Statt einem muss man zwei Meter Abstand halten.
(Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
  •  Wo bisher die Pflicht galt, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, kommt künftig die FFP2-Maske zum Einsatz. Sie wird etwa im Handel und in öffentlichen Verkehrsmitteln ab 25. Jänner verpflichtend, nach dem Lockdown auch bei körpernahen Dienstleistern. „Abstand und FFP2-Masken werden uns auch nach dem Lockdown begleiten“, hält Mediziner Wagner die beiden Maßnahmen für notwendig im Kampf gegen die Pandemie.
  • Geplant ist, dass der Handel die Masken zum Selbstkostenpreis anbietet. Je nach Beschaffungskosten könnten sie zwischen 50 Cent und einem Euro kosten. Finanzschwache Haushalte sollen kostenlose Exemplare bekommen - wie das abläuft, will das Gesundheitsministerium bis Mitte der Woche bekannt geben.
  •  Der Skiurlaub ist bis auf Weiteres abgesagt, zumindest für jene, die nicht in Wintersportregionen wohnen: Lifte und Seilbahnen bleiben zwar offen, Hotels und Gastronomie aber geschlossen. Sie dürfen, ebenso wie Freizeitbetriebe wie Theater, Kinos oder Fitnessstudios frühestens Anfang März öffnen. Ob sich das mit den Zahlen ausgeht, will die Regierung Mitte Februar evaluieren.

Stimmen zum Lockdown:

Daniela Schmuck, Kosmetikstudio-Inhaberin (Ktn.) (Bild: zVg)
Daniela Schmuck, Kosmetikstudio-Inhaberin (Ktn.)
Edwin Kreml, Gastronom (Sbg.): „Ich habe null Freude mit den Maßnahmen, aber wenn fast ganz Europa dies so macht, haben wir keine Chance, etwas anderes zu machen.“
 (Bild: Roland Hölzl)
Edwin Kreml, Gastronom (Sbg.): „Ich habe null Freude mit den Maßnahmen, aber wenn fast ganz Europa dies so macht, haben wir keine Chance, etwas anderes zu machen.“
Stefan Hueber, Gastwirt (NÖ): „Ob ein längerer Lockdown nötig ist, sollen die Experten entscheiden. Ohne Umsatzersatz muss man damit rechnen, dass wieder Wirte aufgeben werden.“ (Bild: Crepaz Franz)
Stefan Hueber, Gastwirt (NÖ): „Ob ein längerer Lockdown nötig ist, sollen die Experten entscheiden. Ohne Umsatzersatz muss man damit rechnen, dass wieder Wirte aufgeben werden.“
Matthias Winkler, Sacher-Chef: „Die Mediziner haben ein Urteil gefällt, das wir umsetzen müssen. Auch, wenn es uns nicht gefällt. Wir müssen Mitarbeitern Perspektiven bieten können.“ (Bild: ServusTV/Kelemen)
Matthias Winkler, Sacher-Chef: „Die Mediziner haben ein Urteil gefällt, das wir umsetzen müssen. Auch, wenn es uns nicht gefällt. Wir müssen Mitarbeitern Perspektiven bieten können.“
Andrea Christian, Frisörin, Stegersbach (Bgld.): „Die vielen Lockdowns sind ein Desaster für die Wirtschaft. Hätte ich keine Ersparnisse, müsste ich mein Geschäft bald für immer schließen.“ (Bild: Christian Schulter)
Andrea Christian, Frisörin, Stegersbach (Bgld.): „Die vielen Lockdowns sind ein Desaster für die Wirtschaft. Hätte ich keine Ersparnisse, müsste ich mein Geschäft bald für immer schließen.“
Rainer Leitner, Schuldirektor in (OÖ): „Distance Learning funktioniert bei uns sehr gut, aber der soziale Aspekt ist viel tragender. Manche Klassenverbände bröckeln etwas.“ (Bild: Klemens Fellner)
Rainer Leitner, Schuldirektor in (OÖ): „Distance Learning funktioniert bei uns sehr gut, aber der soziale Aspekt ist viel tragender. Manche Klassenverbände bröckeln etwas.“
Martin Wäg von Kastner & Öhler (Bild: Christian Jauschowetz)
Martin Wäg von Kastner & Öhler
Christian Harisch, Hotelier (T): „Die Wintersaison ist vorbei. Wir brauchen klare Ansagen, wann wir aufsperren dürfen, keine Hinhaltepolitik mehr. Egal, ob am 1. März oder 1. April.“ (Bild: Det Kempke)
Christian Harisch, Hotelier (T): „Die Wintersaison ist vorbei. Wir brauchen klare Ansagen, wann wir aufsperren dürfen, keine Hinhaltepolitik mehr. Egal, ob am 1. März oder 1. April.“

Hoffen auf das Wetter und die Impfung
„Es werden noch zwei bis drei harte Monate“, rechnet Bundeskanzler Kurz damit, dass bis April – also etwa bis Ostern – die Über-65-Jährigen geimpft sind und eine „Überlastung der Spitäler weniger wahrscheinlich wird“. Im Sommer werde auf jeden Fall Normalität einkehren. „Das Virus mag keine warmen Temperaturen“, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Kronen Zeitung

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