18.01.2021 20:00 |

Projekt aus Absam

„Wildererleben“: Zehn Minuten alpine Ambivalenz

Im Herbst 2004 verstarb im 77. Lebensjahr eine Persönlichkeit, die Tirols Kulturleben maßgeblich prägte und vielfältig mitgestaltete. Der vielseitig begabte Bert Breit war Komponist, Journalist, Grafiker, sowie Radio- und Filmemacher. Das Gemeindemuseum Absam stellt Breits Film „Wildererleben“ online in den Fokus.

Bert Breits musikalisches Lebenswerk umfasst neben Werken für Kammer- und Streichorchester auch Filmmusik und Radiophonien. Die wohl am häufigsten gespielte Musik Breits war die Kennmelodie zu Axel Cortis legendärer Radiosendung „Der Schalldämpfer“, die zwischen 1969 und 1993 zunächst auf Ö3 und später auf Ö1 sonntäglich ausgestrahlt wurde.

Bert Breit wurde am 25. Juli 1927 in Innsbruck geboren, wo er auch das Gymnasium absolvierte. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, als 17-Jähriger, geriet er wegen seiner Mitgliedschaft bei der Innsbrucker Widerstandsgruppe „Franz Mair“ in politische Haft. Nach dem Krieg begann Breit sein Musikstudium in Innsbruck, das er am Salzburger Mozarteum abschloss. Seine Kompositionslehrer waren Wilhelm Keller und Carl Orff. Im Anschluss erhielt Breit ein Stipendium des Institutes Francais für Studien in Paris und unternahm seine ersten Versuche, mit Geräuschen Musik zu machen.

1946 gründete er den Kammerchor „Walther von der Vogelweide“, dessen Wirken mehrfach ausgezeichnet wurde. Ab 1961 war Breit Leiter der Abteilung „Ernste Musik“ beim ORF Tirol. 1967 kündigte er allerdings, um freischaffend für Radio und Film tätig sein zu können. Hierbei ist auch sein soziales Engagement herauszustreichen.

Breit arbeitete ehrenamtlich als Bewährungshelfer und setzte sich in zahlreichen Radiofeatures kritisch mit dem Umgang der Gesellschaft mit Minderheiten auseinander. In seinem künstlerischen Schaffen spannt sich diese sozialkritische Grundlinie weiter zum Dokumentarfilmer Bert Breit. Denn auch in seinen Filmen befasste er sich vor allem mit den mannigfaltigen Anliegen und Sorgen der alpinen Bevölkerung.

Sein Sohn Matthias Breit, der das Absamer Gemeindemuseum leitet, ist mit großem Elan und viel Engagement dabei, trotz Corona den Museumsbetrieb aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund hat er den einstündigen Dokumentarfilm seines Vaters „Wildererleben“ aus 1978 auf zehn Minuten geschnitten und ins Internet gestellt. Anhand dieses filmischen Kleinods rückt auch eine Begabung von Bert Breit in den Vordergrund.

Breit war ein Philantrop, der sein Gegenüber dazu brachte, trotz Kamera, Scheinwerfer und Mikrofon authentisch zu bleiben und ohne Druck ehrlich über sich und sein Handeln zu erzählen. Somit entstand hier vor mehr als 40 Jahren ein ambivalenter Ausschnitt als Teil unseres Lebens und unserer Volkskultur, fernab von Kitsch und Romantik. Sehenswert!

Weiterführende Informationen unter: www.absammuseum.at

Hubert Berger, Kronen Zeitung

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