17.12.2020 07:04 |

Intensivbetten-Engpass

Fachärzte befürchten Ansturm auf Skigebiete

Die Meldung „Ansturm auf Österreichs Skigebiete“ wäre in normalen Zeiten eine erfreuliche. Doch diesmal herrscht bei vielen große Angst davor, was ab 24. Dezember los sein könnte, wenn die Skilifte wieder in Betrieb gehen. Wegen eines coronabedingten Engpasses bei den Intensivbetten appellieren Innsbrucker Fachärzte daher an die Eigenverantwortung der Wintersportler. „Abwarten, bis die Zahl der Corona-Intensivpatienten sinkt, und nicht sofort am ersten Tag auf die Piste!“, bittet Rohit Arora, Direktor der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie.

„Normalerweise sind wir suffizient aufgestellt, in der Vergangenheit ist es auch im intensivmedizinischen Bereich nie zu einem Mangel gekommen“, erklärt Arora im Gespräch mit der APA und fügt hinzu: „Dass momentan alle Betten der Unfallstationen leer stehen ist ein Trugschluss“. Er befürchte, dass „sobald die Skigebiete öffnen, die Leute auf den Berg strömen“. Dann würden die Betten in der durch die Pandemie derzeit angespannten Situation knapp, auch ohne Touristen. 130 Intensivbetten stünden derzeit an der Universitätsklinik Innsbruck zur Verfügung, um 15 mehr als im Vorjahr. Corona-Patienten würden, nach Möglichkeit, maximal die Hälfte dieser Betten belegen, weiß Arora, „doch die andere Hälfte kann sich schnell füllen, wenn alle gleichzeitig in die Skigebiete strömen“.

Hinzu komme eine drohende Knappheit an intensivmedizinischen Geräten. In Summe gibt es laut ORF tirolweit neun dieser Herz-Lungen-Maschinen. „Es geht aber nicht nur um Betten und Gerätschaft“, gab Arora zu bedenken, „sondern auch um das Pflegepersonal.“ Hier sei es coronabedingt zu Umschichtungen gekommen, und die Pflege von Covid-19-Patienten sei „extrem anspruchsvoll“.

Gesperrte Lifte: Ausweichen auf ungewohnte Sportarten
Sorgen bereite ihm nicht nur der Umstand, dass nun die Skigebiete bereits öffnen, erklärt der Facharzt weiter, sondern auch die Tatsache, dass viele Menschen aufgrund geschlossener Lifte auf andere für sie ungewohnte Sportarten ausweichen. Aufgrund fehlender Erfahrung sei hier die Verletzungsrate höher als sonst. Vor allem Rodler hätten sich in den letzten Tagen zum Teil schwer verletzt, teilweise sei auch selbst mitgenommener Alkohol im Spiel gewesen.

Nicht zuletzt auch die Gefahr einer Weiterverbreitung des Coronavirus in Krankenhäusern spielt eine Rolle in den Überlegungen der Ärzte. „Denn wenn gerade asymptomatische aber doch virustragende Wintersportler sich verletzen und stationär aufgenommen werden müssen, sei die Gefahr hoch, den Virus in das Krankenhaus zu bringen", warnt Arora.

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