6 Jahre ins Gefängnis

Dealer versorgte Familie in Marokko: 70.390 € für Mutter

Tirol
02.11.2010 16:09
Welche Summen im Drogengeschäft stecken, ist am Dienstag am Innsbrucker Landesgericht deutlich geworden. Ein Marokkaner gestand, 15 Kilogramm Haschisch verkauft zu haben - mit dem Gewinn versorgte er die Mama und seine sechs Brüder. 70.390 Euro überwies er in mehreren Tranchen in seine Heimat. Nun sitzt er sechs Jahre!

Zwischen dem 5. Mai 2009 und dem 26. März 2010 versorgte ein Marokkaner die Drogenszene in Tirol mit Haschisch und Kokain. In diesen zehn Monaten soll er rund 15 Kilogramm Haschisch und 40 Gramm Kokain an den Mann gebracht haben. Das sind zumindest jene Summen, von der die Staatsanwaltschaft ausgeht. Und der Marokkaner leugnete nicht. Auf der Anklagebank am Innsbrucker Landesgericht versuchte er kaum, seine Dealerei schönzureden. Er sei in einer schwierigen Situation gewesen, keine Arbeit, keine Wohnung und da sei ihm nur ein einziger Ausweg geblieben. 

"Außerdem bin ich der älteste Sohn meiner Mutter und damit für die ganze Familie verantwortlich", erzählte er dem Schöffensenat unter Gerhard Melichar. Da die Brüder alle keine Arbeit haben, musste er Geld verdienen. Und die Familie muss wohl den Eindruck erhalten haben, dass das Geld im Westen auf der Straße liegt. Denn der Angeklagte, der unter mehreren Namen und mehreren Geburtsdaten "bekannt" ist, überwies in den gut zehn Monaten unglaubliche Beträge in die Heimat. Seine Mama durfte sich über 70.390 Euro freuen. Weitere 9.070 Euro wurden von Western Union wegen des Verdachts der Geldwäsche blockiert.

Auch Tiroler Freundin angeklagt
Den überwiegenden Teil ließ er selbst überweisen, der Transfer von rund 20.000 Euro wurde aber von seiner Lebensgefährtin, einer 23-jährigen Innsbruckerin, getätigt. Deshalb saß auch sie am Dienstag auf der Anklagebank. Ihr wurde neben dieser Geldwäscherei auch eine Schmuggelfahrt von Bologna nach Tirol vorgeworfen. Sie gab zu, mit zwei Bulgaren nach Italien gefahren zu sein und rund zwei Kilogramm Haschisch geschmuggelt zu haben. Sie wollte das zuerst zwar nicht, aber ihr Freund habe sie dann doch überredet.

Der Schöffensenat sprach am Dienstag beide schuldig. Während die 23-jährige Tirolerin mit einer bedingten Haftstrafe von 20 Monaten davonkam, setzte es für den bereits mehrfach Vorbestraften eine satte Gefängnisstrafe. Der Marokkaner muss für sechs Jahre hinter Gitter. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

von Stefan Ruef, Tiroler Krone

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