07.11.2020 05:00 |

Schutz und Therapie

Jetzt sind HIV-Tests besonders wichtig!

Und zwar, damit frühzeitig behandelt werden kann. Als wichtigstes Ziel gilt aber nach wie vor, Diskriminierung Betroffener zu beenden und weiterhin gezielt aufzuklären.

Da zieht der Physiotherapeut gleich zwei Handschuhe übereinander an, der Zahnarzt vergibt immer nur den allerletzten Termin des Ordinationstages, manchmal werden HIV-positive Patienten unter fadenscheinigen Gründen von Medizinern gleich ganz abgewiesen.

Keine Übertreibung, sondern Alltag für Betroffene, die ehrlich und verantwortungsbewusst mit ihrer Diagnose umgehen und sie im Gesundheitsbereich nicht verschweigen. Doch gerade dort sehen sie sich immer noch oft Stigmatisierung gegenüber - 50% aller Fälle werden in diesem Zusammenhang vermeldet!

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Es herrscht immer noch in weiten Bevölkerungsschichten gefährliches Halbwissen.

Dr. Mag. Matthias Skocic, Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Kepler Universitätsklinikum Linz

Ganz zu Unrecht, wie Dr. Mag. Matthias Skocic, Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Kepler Universitätsklinikum Linz, bestätigt: „Das Stigma ist heutzutage das weitaus größte Problem für HIV-positive Patienten und lässt viele dann auch zögern, im Verdachtsfall oder routinemäßig eine Testung durchführen zu lassen. Weil sie berechtigte Angst vor den sozialen Konsequenzen haben. Da muss noch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.“ Sogar unter Homosexuellen sind die Vorurteile gegenüber Personen mit HIV-Diagnose sehr weit verbreitet.

Die Diagnose erfolgt leider oft sehr spät
Unter anderem lässt sich daraus auch die relativ hohe Zahl der sogenannten „late presenter“ erklären, also Infizierter, die spät oder schon mit Symptomen zum ersten Mal beim Arzt vorstellig werden. Oft ergibt sich ein Befund dann sogar erst zufällig im Zusammenhang mit anderen Untersuchungen. In Österreich bleiben etwa 10-20% der HIV-Infektionen unentdeckt, vier von zehn werden erst drei bis fünf Jahre oder noch später diagnostiziert. Doch früher Behandlungsbeginn ist entscheidend für den Erfolg. Aus diesem Grund läuft bereits seit 2016 die internationale Kampagne „U=U“, Undetectable = Untransmittable (nicht nachweisbar = nicht übertragbar) mit der Aussage, dass keine HIV-Weitergabe stattfindet, wenn die Viruslast durch eine antiretrovirale Therapie (ART) unter der Nachweisgrenze liegt.

Aktuell leben hierzulande etwa 8000 Menschen mit dem Virus, jeden Tag kommen ein bis zwei dazu. Die Zahlen bleiben seit Längerem weitgehend stabil, allerdings ortet Dr. Skocic bei jüngeren Menschen eine „Kondommüdigkeit“. Da die Behandlungsoptionen sich so erfolgreich entwickelt haben, bringt das bisweilen auch den Hang zur Sorglosigkeit mit sich.

Safer Sex hat immer noch Bedeutung
Aber auch wenn AIDS, also die durch das Humane Immundefizienz-Virus (Human immunodeficiency virus) ausgelöste Erkrankung, bei uns immer seltener wird, gibt es nach erfolgter Ansteckung noch keine Möglichkeit, den Erreger wieder loszuwerden. Daher sind allgemeine Schutzmaßnahmen, allen voran Safer Sex, regelmäßige ärztliche Kontrollen bei bestehender Infektion und eben Testungen so wichtig - auch und gerade in Corona-Zeiten. „Im akuten Verdachtsfall sollte immer so schnell wie möglich Klarheit herbeigeführt werden, am besten in einer spezialisierten Einrichtung, Ordination oder Ambulanz, wo sofortige, unbürokratische und vorurteilsfreie ärztliche Beratung erfolgen kann“, so Dr. Skocic. Auch Heimtests aus der Apotheke eignen sich dafür und sind leicht zu handhaben. Ein positives Ergebnis muss aber weiter abgeklärt werden und bedeutet nicht, dass damit schon eine Diagnose vorliegt.

Niederschwelliges Testangebot bietet auch die Aids Hilfe. Unbedingt einen Termin ausmachen, das gilt natürlich auch beim Arzt. Eine HIV-Infektion bringt übrigens nicht automatisch ein höheres Risiko für Covid-19 oder einen gefährlicheren Verlauf mit sich, das gilt als erwiesen. Allerdings ist eine verminderte Immunabwehr ungünstig. Das wiederum liegt bei Nichtbehandlung häufig vor.

Diskriminierung am Arbeitsplatz
Die Aidshilfen in Österreich haben nach deutschem Vorbild die umfangreiche Initiative #positivarbeiten gestartet, die einerseits zu Respekt und Selbstverständlichkeit im Umgang mit HIV-positiven Menschen am Arbeitsplatz aufruft, andererseits Betroffene zu Wort kommen lässt, Arbeitgeber miteinbezieht und Beratung anbietet.

Fragen und Anworten zu HIV und Aids finden Sie auch unter: www.hivheute.at

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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