Mit Gift gedroht

Deutscher erpresste "Manner" und "Wojnar's"

Österreich
20.10.2010 11:34
Kriminalisten in Tirol und Wien haben seit knapp einem Monat Jagd auf einen Erpresser gemacht, am Dienstag ist der Zugriff bei einer spektakulären Großfahndung mit 90 Beamten gelungen. Der deutsche Verdächtige, der dabei auf der Tiroler Inntalautobahn verhaftet wurde, hatte das Schnittenimperium der "Manner"-Dynastie sowie das Feinkost-Unternehmen "Wojnar's" erpresst. Laut Polizei drohte er mit vergifteten Waren. Für die Bevölkerung habe nie Gefahr bestanden, so die Ermittler.

Die Schnitten und Gabelbissen der beiden Firmen sind seit Jahrzehnten nicht nur in Österreich heiß begehrt. Der Erfolg des Wiener Süßwarenherstellers und die Bekanntheit des Feinkost-Riesen lockten nun aber offenbar auch Kriminelle an. Die beiden Firmen gingen auf die Forderungen jedoch nicht ein und schalteten sofort die Polizei ein.

100.000 Euro von Manner gefordert
Der Erpresser, laut Polizei ein 27-jähriger Deutscher mit polnischen Wurzeln, schickte am 21. September die ersten E-Mails an Manner über ein kompliziertes Verschlüsselungsprogramm, wie Oberst Michael Mimra, stellvertretender Leiter des Wiener Landeskriminalamtes, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz erklärte. Darin behauptete er, dass er Waren manipuliert und in Geschäften in Tirol abgelegt hätte.

Die Aktion verband der Täter mit einer Forderung über 100.000 Euro. Die betroffene Ware, an der optisch erkennbare Veränderungen vorgenommen wurden, sei sofort aus dem Verkehr gezogen worden, erklärte Manner-Unternehmenssprecherin Karin Höfferer gegenüber krone.at. Laut Manner handelte es sich dabei nicht um die berühmten Schnitten (die Firma stellt u.a. auch Schokobananen und Kekse her). Möglicherweise seien von dem Erpresser Haushaltsmittel für die Verunreinigung verwendet worden, heißt es.

Doch nicht nur bei "Manner" soll der Verdächtige vorstellig geworden sein, auch das Wiener Feinkost-Unternehmen "Wojnar's" erhielt Erpresser-Post. Auch hier gab der Verdächtige an, die Lebensmittel "unbrauchbar" gemacht zu haben. Diesmal forderte er 75.000 Euro. Den Ermittlern zufolge waren dies ausgesprochen geringe Beträge, wenn man frühere Fälle - etwa den in Deutschland berühmt gewordenen Erpresser "Dagobert" - zum Vergleich heranzieht.

Täter Kreditkarte untergejubelt und geschnappt
Geld sei seitens der beiden Unternehmen nicht geflossen, betonte die Polizei. Allerdings habe man dem Täter für die vermeintliche Geldübergabe eine Kreditkarte mit Bankomatfunktion untergejubelt, um ihn einerseits zu ködern, andererseits um anhand der Abhebungen ein Bewegungsprofil zu erstellen. Das hat letztlich funktioniert. Am Dienstag wurden in Tirol 30 infrage kommende Bankomaten beobachtet, dabei wurde man in Zirl fündig.

Bei der Behebung selbst kam die Polizei jedoch ein wenig zu spät, um den Mann "auf frischer Tat" zu erwischen. Es folgte eine Großfahndung in Tirol u.a. mit Straßensperren, die umfangreiche Staus verursachten. Die Beamten konnten schließlich auf der A12 einen BMW vor dem Roppener Tunnel im Oberland stoppen und den mutmaßlichen Erpresser überwältigen und verhaften.

Weitere Fälle in Deutschland?
In ersten Einvernahmen zeigte sich der 27-Jährige "im Großen und Ganzen geständig", sagte Mimra am Mittwoch bei der Pressekonferenz. Zu seinem Motiv hielten sich die Ermittler aber noch bedeckt, man sei erst am Anfang der Einvernahmen. Offenbar dürfte es aber um eine reine Geldbeschaffungsaktion gegangen sein.

Auch ein Zusammenhang zu weiteren Fällen wird überprüft, auch in Deutschland. "Es gibt einen Bezug zu Deutschland", so Mimra. Dort gebe es einen ähnlich gelagerten Fall, der ebenfalls seit Mitte September Gegenstand von Ermittlungen ist.

"Erpresser werden nicht reich"
Hannes Scherz, stellvertretender Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung, sagte, dass in den vergangenen Jahren in Wien solche Fälle sehr selten geworden seien. Nach den Taten des Kaufhauserpressers "Dagobert" in Deutschland habe es ein, zwei Jahre danach ähnliche Fakten in Wien gegeben, "einige davon waren sicher Nachahmungstäter", sagte der Kriminalist. "Immer wieder glauben einige, dass sie noch schlauer sind als die Polizei." Doch der Weg der Exekutive sei es, möglichst kein Geld zu zahlen. "Erpresser werden nicht reich", stellte Scherz fest.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele