25.09.2020 17:29 |

„Sind ihm dankbar“

Kosovarischer See soll nach Trump benannt werden

Ein Stausee im Grenzgebiet zwischen dem Kosovo und Serbien, der noch dazu von beiden Staaten für sich beansprucht wird, könnte schon bald nach dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump benannt werden. Der kosovarische Ministerpräsident Avdullah Hoti fand jedenfalls Gefallen an einem entsprechenden Vorschlag von Trumps Sondergesandten für die Region. Die Regierung in Washington hatte jüngst die Unterzeichnung von Dokumenten durch Hoti und Serbiens Präsidenten Aleksandar Vucic als Durchbruch im Verhältnis der beiden verfeindeten Staaten im Oval Office des Weißen Hauses groß in Szene gesetzt.

Konkret geht es um den Gazivoda-Stausee (albanisch auch: Ujman-See), der direkt an der Grenze zu Serbien liegt. Beide Länder erheben Anspruch auf den Stausee, der sich zu 80 Prozent auf dem Gebiet des Kosovo und zu 20 Prozent auf serbischen Territorium befindet.

Ministerpräsident: „Bürger des Kosovo sind USA ewig dankbar“
Trump habe eine „außerordentliche Rolle gespielt bei der historischen Vereinbarung zur Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Republik Kosovo und Serbien“, erklärte Hoti am Freitag. Dies sei ein bedeutender Schritt hin zu einem endgültigen politischen Abkommen samt gegenseitiger Anerkennung. Die Bürger des Kosovo seien den USA „ewig dankbar“.

Konkret haben Hoti und Vucic in Washington kein bilaterales Abkommen unterzeichnet. Jeder der beiden unterschrieb vielmehr ein Dokument. Darin sagen sie zu, wichtige Verkehrsverbindungen vom Kosovo nach Serbien auf der Straße und auf der Schiene zu vollenden. Reisen der serbischen und kosovarischen Bürger von einem Land ins andere sollen in weiterer Zukunft ohne Pass, nur noch mit einem Personalausweis möglich sein. Außerdem soll Serbien für ein Jahr seine Kampagne gegen die Anerkennung des Kosovo, gegen die Rücknahme der Anerkennung und gegen die Aufnahme des Kosovo in internationale Organisationen für ein Jahr auszusetzen. 

Umgekehrt soll der Kosovo im gleichen Zeitraum keine Mitgliedschaften etwa in der UNO oder der OSZE beantragen. Der Kosovo darf aber weiterhin bei einzelnen Staaten um die Anerkennung seiner 2008 erklärten Unabhängigkeit von Serbien werben. Viele Kommentatoren sahen in der Inszenierung im Weißen Haus vor allem eine Show Trumps, um im US-Wahlkampf als Dealmaker mit einem außenpolitischen Erfolg Punkte zu sammeln.

Bill Clinton und George Bush sind bereits Namensgeber
Die Albaner stehen den USA traditionell positiv gegenüber. So gibt es etwa in der kosovarischen Hauptstadt Pristina bereits einen Bill-Clinton-Boulevard sowie eine George-Bush-Straße. Die kosovarische Tageszeitung „Gazeta Express“ veröffentlichte am Donnerstagabend auf ihrem Internetportal eine Fotografie des Ujman-Sees mit dem Namenszusatz „Trump-See“. Zuvor brachten Belgrader Medien Aufnahmen eines am Stausee angebrachten Spruchbandes mit der Aufschrift: „Präsident Trump, die Kosovo-Serben sind Ihnen dankbar, für den Frieden, den sie bringen!“ Viele Kosovo-Serben stehen dem Staat Kosovo kritisch gegenüber und wollen ihn auch nicht anerkennen wie die serbische Regierung.

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