18.09.2020 11:00 |

Reisebüros:

„EU-Bonze Selmayr treibt uns noch in den Ruin“

Der Vertreter der EU-Kommission in Österreich boykottiert Hilfsgelder für die Wirtschaft. Für Andreas Kröll, Sprecher der Tiroler Reisebüros, ist das unerträglich: „Er treibt uns in den Ruin!“

„Die Polemik des Vertreters der EU-Kommission in Österreich, Martin Selmayr, ist unerträglich“, ärgert sich Andreas Kröll, Chef der Christophorus-Firmengruppe und Sprecher der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Tirol.

Was ist passiert? Seit Monaten haben Tourismus- und Finanzministerium sowie die Wirtschaftskammer in intensiven Gesprächen eine Möglichkeit erarbeitet, die die Basis des Überlebens der klein- und mittelständischen Reiseunternehmen in Österreich, welche zu mehr als 80 Prozent als Familienunternehmen geführt werden, ermöglichen kann.

„Einreichung ist korrekt“
„Dieser Paket wurde als Fixkostenzuschuss II vereinbart und bei der EU-Kommission zur Genehmigung eingereicht. Jetzt wird durch Selmayr behauptet, dass die Einreichung falsch sei, was als glatte Lüge entlarvt wurde. Die Einreichung ist korrekt, droht aber wegen juristischer Spitzfindigkeiten abgelehnt zu werden und die Unternehmen könnten durch den Rost fallen. Die derart dringend benötigte Wirtschaftshilfe könnte an EU-beamteten Befindlichkeiten scheitern“, sagt Kröll.

„Keine Deckelung“
Unbedingt abzulehnen ist der EU-Vorschlag, dass ein mit 800.000 Euro gedeckelter Fixkostenzuschuss II sofort genehmigt werden würde. Die Vertreter der Kammer und der Branchenverbände sehen das als eine Mogelpackung. Das würde nur ganz wenigen Betrieben in der Reisebranche helfen. Es sind nämlich andere, bereits gewährte Zuschüsse wie zum Beispiel Kredithaftungen gegenzurechnen.

Zudem hat die EU-Kommission eine sehr eng gefasste Definition von Fixkosten: Die so wichtige Erfassung der „frustrierten Reisevorleistungen“ würde möglicherweise herausfallen. „Reisebüros und Reiseveranstalter haben ihre Leistungen für den diesjährigen Sommerurlaub bereits im Vorjahr erbracht, seit Mitte März aber nur noch Reisen storniert, so gut wie keine Umsätze generiert und Zahlungen gemäß den Vorgaben der EU-Pauschalreiserichtlinie den Konsumenten rückerstattet“, sagt Kröll.

„Verwerfliche Haltung“
Umso verwerflicher sei laut Kröll daher die Haltung der EU-Kommission gegenüber Österreich, welches mit seinem eigenen Geld den am stärksten von der Krise betroffenen Unternehmen mit dem Fixkostenzuschuss II helfen will. Blickt man nach Italien, gibt es keine derartigen Hilfestellungen.

„Italien tritt geltendes EU-Recht mit Füßen, indem es ein Gesetz erlassen hat, welches in Italien ansässige Unternehmen ermächtigt, sämtliche Kundengeldanzahlungen für coronabedingt abgesagte Reiseleistungen einzubehalten. So zahlen italienische Reisebüros oder Hoteliers keine Gelder zurück, sondern sie geben stattdessen nicht insolvenzabgesicherte Gutscheine aus,“, wettert Kröll.

EU bevorzuge „Großen“
Weiters sei absolut unverständlich, dass der weltgrößte Reisekonzern TUI vom deutschen Staat drei Milliarden an Soforthilfe und die Lufthansa sogar neun Milliarden Euro mit Zustimmung der EU erhalten durften.

Zitat Icon

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Selmayr, für den es nach dem Abgang von Junker in Brüssel keinen Platz mehr gab, als Trojaner nach Österreich verpflanzt wurde, um den heimischen Reisbüromarkt zu Gunsten der Großen zu bereinigen.

Andreas Kröll, Sprecher der Tiroler Reisebüros

So könnten sich die großen Reisekonzerne Österreich unter sich aufteilen und wieder einmal schaue die EU-Kommission zu, wie der Mittelstand zu Gunsten von Großkonzernen dem Verderben ausgeliefert wird.

Markus Gassler
Markus Gassler
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