14.09.2020 12:00 |

Ikone unter Strom

So plant Maserati die Zukunft mit SUVs & E-Antrieb

Mit dem Supersportwagen MC20 will Maserati ein neues Zeitalter der Traditionsmarke einläuten. Die Modellpallette soll deutlich erweitert werden und auch reine Elektroautos und Versionen mit Plug-In-Hybrid enthalten. Das lässt sich der Fiat-Konzern, zu dem Maserati gehört, viel kosten. Aber hat das Urgestein auch Chancen, wenn die beschlossene Fusion mit Peugeot zu einem Gemeinschaftsunternehmen in die Tat umgesetzt wird?

Nur kurze Zeit unabhängig, wurde Maserati stets in Adoptiv-Familien eingereiht. Erst Citroen, dann De Tomaso. Schließlich landete die Marke samt Produkten Anfang der 90er-Jahre endgültig bei Fiat und arbeitete seitdem eng mit dem Musterschüler Ferrari zusammen. Jetzt muss sich Maserati schon wieder auf Neues einstellen, denn erneut steht Familiäres an. Durch das Zusammengehen der Konzerne FCA (Fiat) und PSA (Peugeot) zum neuen Branchenriesen Stellantis, beide auf Großserienfahrzeuge gepolt, muss die Luxusmarke beweisen, dass sie Geld verdienen kann. Denn die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg“ gilt eben auch auf dem Schlachtfeld der Börsen, Aktienkurse und Investoren.

Der Dreizack als Speerspitze des neuen Konzerns
Jetzt legt Maserati seinen Fahrplan für die Zukunft auf den Tisch, der durchaus Überraschendes enthält und der Ikone einen Platz am Futtertrog der neuen Großfamilie sichern soll. Dort drängeln sich dann bekannte Namen wie Fiat, Alfa Romeo, Peugeot, Citroen, Chrysler, Jeep und auch Opel. Vorteil: Weil Ferrari auch in Zukunft sein eigenes Ding machen wird, könnte der Dreizack im Maserati-Logo zur Speerspitze von Stellantis werden, die zum Symbol der Jagd auf betuchte Kunden dient.

Der erste Knaller ist sicher der Supersportwagen Maserati MC20, gerade in Modena präsentiert. Bärenstark die Leistung (630 PS, 325 km/h), rasant das Design mit den hochschwingenden Türen, bombastisch der Preis (in Österreich an die 300.000 Euro). Logisch, dass es keinen Massenansturm auf den MC20 geben kann. Aber für Aufmerksamkeit sorgt er allemal. Und er soll auf Bestehendes und Kommendes abstrahlen. Derzeit ist Maserati nämlich eher bescheiden aufgestellt, hat gerade mal drei Modelle im Programm. Wirklich erfolgreich ist aber nur das SUV Levante, die beiden Limousinen Quattroporte und Ghibli leiden dagegen unter eben diesem SUV-Boom und der Übermacht der deutschen Marken wie Mercedes oder BMW. Das ertragreiche Geschäft mit den Dienstwagen für leitende Angestellte läuft bei Maserati nicht wirklich.

„Hybrid“, der keiner ist
Daran wird auch die gerade erschienene Variante des Ghibli nichts ändern, mit der Maserati die Elektrifizierung für sich entdeckt. Der Zusatz „Hybrid“ im Modellnamen führt etwas in die Irre. Dieser Ghibli hat ein 48-Volt-Bordnetz, das einen elektrischen Verdichter mit Strom versorgt. Der arbeitet mit einem normalen Turbo zusammen und dient als Kraftspritze für einen Zweiliter-Benziner und sorgt so für 330 PS. Rein elektrisch kann er nicht fahren. Hier geht es eher um Spritsparen und Leistungszuwachs.

MC20 kommt auch als Elektrosportler
Insofern ist der Ghibli Hybrid nur ein erster Schritt des neuen Firmen-Projekts „Folgore“ (Blitz). Die nächsten sind weitaus wichtiger: Im nächsten Jahr feiern die Neuauflagen des Coupés GrandTurismo und des Roadsters GrandCabrio ihren Einstand. Neben den gewohnt starken Benzinern sollen sie auch als vollelektrische Versionen auftreten. Details hält Maserati noch geheim, verrät nur eher Nebensächliches. So wird ein spezieller Elektro-Sound entwickelt, der wie bei Maserati gewohnt für eine spezielle Akustik sorgen soll. Das Duo wird wohl eine elektrische Reichweite von rund 400 Kilometern haben. Als nächster Stromer folgt dann eine abgasfreie Variante des gerade vorgestellten Sportwagens MC20.

Ob auch das Zugpferd Levante von der Watt-Offensive profitieren wird, ist noch offen. Denkbar wäre hier eine Plug-In-Lösung, also eine Kombination aus Verbrenner und starker Batterie, die an der Steckdose aufgeladen werden kann. Das Gleiche gilt für einen Neuling, der ebenfalls 2021 erscheinen und für Betrieb bei den Maserati-Händlern sorgen soll: Das Mittelklasse-SUV trägt einer langen Tradition folgend den Namen eines Windes. „Grecale“ heißt ein zuweilen heftiger Sturm, der vor allem im Winter im zentralen Mittelmeerraum Gänsehaut verursacht. Der Hochbeiner hat sich vor allem den Porsche Macan als Rivalen ausgeguckt.

Bei alledem will sich Maserati auch auf seine Wurzeln besinnen und die Besitzer eines Oldtimers mit dem Neptun-Dreizack glücklich machen. Unter dem Namen „Maserati Classiche“ wird ein spezieller fachmännischer Service für frühere Modelle aus allen Epochen ins Leben gerufen.

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