09.09.2020 19:00 |

Ex-Informant angeklagt

Drogenprozess rund um „Machenschaften in Polizei“

Wie passen Suchtgift-Vorwürfe, die mutmaßlichen Drahtzieher des Ibiza-Videos und Amtsmissbrauchs-Ermittlungen gegen Polizisten zusammen? All dies war direkt und indirekt Inhalt eines Suchtgift-Prozesses in Salzburg. Der Angeklagte ist einer, den die Behörden gut kennen: ein mehrfach vorbestrafter Ex-Informant.

„Die Anklage ist ein Ausfluss von Machenschaften bei der Polizei“: Es sind die Worte des Verteidigers Wolfgang Auer. Der Anwalt glaubt sogar, dass der federführende Staatsanwalt „so lange etwas suchte, bis er etwas gefunden hatte“. Eine Aussage, die einen Disput mit der anwesenden Staatsanwältin auslöste – Stichwort Amtsmissbrauch.

Ermittlungen gegen Polizeibeamte dauern schon drei Jahre an 

Anklagevorwurf ist aber Drogenhandel. Im Detail: 400 Gramm Cannabis und mehr als ein Kilogramm Kokain. Damit soll der Kosovo-Albaner zwischen September 2018 und Oktober 2019 gedealt haben. Dass sich der Angeklagte im Business auskennt, steht außer Frage: Er war V-Mann, Vertrauensperson der Polizei. Er war in jenen Fall, Ende 2016, involviert, indessen Zuge ein Salzburger Drogenermittler vor Gericht zugab, Berichte gefälscht und gelogen zu haben - deswegen ermittelt die St. Pöltener Staatsanwaltschaft noch immer gegen mehrere Kriminalbeamte, also schon drei Jahre lang.

Ibiza-Beschuldigte als Zeugen

Zu den Rauschgift-Vorwürfen zeigte sich der Kosovare großteils nicht geständig - lediglich die Übergabe von 400 Gramm Cannabis gab er zu. Sonst meint er: „Es ist ein Spiel der Polizei.“ Laut einem widerspenstigen Häftling prahlte der Kosovare mit seinen Polizei-Kontakten, soll sogar Geschäfte mit Behörden gemacht haben. Zudem kannte der Angeklagte einen mutmaßlichen Drahtzieher des Ibiza-Videos: Einen in U-Haft sitzenden Serben, der per Videoschaltung erklärte, den Kosovaren vor zehn Jahren kennengelernt zu haben. In der Polizei-Stube. Weil auch er Informant war. Drogen sollen aber kein Thema gewesen sein. Die Richterin vertagte auf 23. Oktober, um Zeugen zu hören - darunter einen Ermittler.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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