Hohe Dunkelziffer

„Sittenwächter“ in Wien: Bereits elf Beschuldigte

Wien
09.09.2020 13:13

Mehrere Festnahmen hat es in Wien im Rahmen der Ermittlungen rund um selbst ernannte „Sittenwächter“ gegeben. Die Beteiligten hatten das Verhalten tschetschenisch-stämmiger Frauen beobachtet und dokumentiert. Ein „Fehlverhalten“ wurde öffentlich angeprangert, etwa mit Aushängen von Fotos, doch auch körperlich wurden die Opfer offenbar misshandelt. Ermittelt wird überdies wegen Waffenhandels, Freiheitsentziehung, schwerer Körperverletzung und Kfz-Diebstahls.

Die Organisation ist gut vernetzt, vor allem via Internet über verschiedene soziale Plattformen und Chatportale. Auf bzw. in diesen wurde das - in den Augen der Beteiligten - „sittenwidrige Verhalten“ von Frauen mit tschetschenischen Wurzeln protokolliert und verbreitet.

„Wurde ein ,Fehlverhalten‘ einer Frau festgestellt, leitete man Maßnahmen ein, wie etwa ,Belehrungen‘, Aushängen von Fotos, auch vor Gebetsräumlichkeiten, Verfolgung oder auch körperliche Misshandlungen wegen der Nichtbefolgung der islamistisch-konservativ beeinflussten Parallelnormen“, berichtete Polizeisprecher Paul Eidenberger am Mittwoch und gab eine Zwischenbilanz rund um die polizeilichen Ermittlungen in der Causa bekannt.

Symbolbild. (Bild: ©Worawut - stock.adobe.com)
Symbolbild.

Hohe Dunkelziffer bei Opfern und Tätern
Mittlerweile wurden elf Beschuldigte - darunter eine Frau - ausgeforscht, vier Personen befinden sich in Untersuchungshaft, so Eidenberger. „Die Anzeigen lauten auf Gründung einer kriminellen Vereinigung sowie eines verbrecherischen Komplotts und Nötigung.“ Bei der Zahl der Beschuldigten 
dürfte es sich jedoch lediglich um die Spitze des Eisberges handeln: So gehe die Exekutive von einer hohen Dunkelziffer an weiteren noch unbekannten Tätern aus. Auch bezüglich der Opfer der „Sittenwächter“ verhält es sich ähnlich - bislang seien zehn Frauen namentlich bekannt - die Zahl „könnte aber durchaus im dreistelligen Bereich liegen“, so der Sprecher weiter. 

Enorme Datenmengen sichergestellt
Der Grund: Bei Hausdurchsuchungen konnten die Beamten „erhebliche Mengen an Datenmaterial in Form von Chatprotokollen, Bildern und Videos“ sicherstellen, deren Sichtung sowie Auswertung mehrere Wochen dauerte, hieß es. Auf einem Laptop fanden sich laut Eidenberger eine Datenbank, in der sämtliche Online-Aktivitäten „Hunderter junger Frauen“ vermerkt und gesammelt worden waren. Da viele dieser Frauen noch nicht identifiziert werden konnten, weiß man nicht, ob diese von der Gruppierung belästigt und damit zu Opfern wurden.

Die Ermittlungen dauern weiter an.

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