02.07.2020 15:24 |

Auf Druck der Polizei

Mayer widerruft seine Aussage: „Von mir erfunden“

Der Prozess gegen den ehemaligen ÖSV-Trainer Walter Mayer wegen Dopingvergehens und schweren Betrugs ist am Donnerstag am Landesgericht Innsbruck fortgesetzt worden. Beim vergangenen Prozesstermin Mitte Februar hatte Mayer von seinem Entschlagungsrecht Gebrauch gemacht. Nun bekannte er sich teilweise schuldig, zugleich widerrief er aber seine vor der Polizei getätigten Aussagen.

Dabei hatte Mayer ausgesagt, dass er unter anderem von einem Kroaten fünf leere Blutbeutel für den ehemaligen Langläufer Harald Wurm besorgt habe und, dass er Johannes Dürr 400 Milliliter Blut abgenommen habe. „Davon stimmt aber gar nichts, das ist von mir erfunden“, sagte Mayer zur Richterin.

Er habe diese Aussagen nur getätigt, weil er von den Polizeibeamten unter Druck gesetzt worden wäre, da sie ihm versprochen hätten, dass er nur nach Hause dürfe, wenn er etwas zugebe, erklärte Mayer. Auch sein damaliger Verteidiger habe ihn zu einem falschen Geständnis gedrängt. Die als Zeugen geladenen Polizisten stritten diese Vorwürfe jedoch vehement ab. „So einen Schwachsinn habe ich überhaupt noch nie gehört“, sagte einer der Beamten.

Teilweise schuldig
Trotzdem bekannte sich der 63-jährige Salzburger teilweise schuldig. Er habe der mitangeklagten Leichtathletin vor Wettkämpfen Infusionen gegeben, gab der ehemalige Trainer zu. Dabei habe es sich aber lediglich um eine Magnesium-Kochsalzlösung gehandelt und diese stehe nicht auf der Dopingliste. Dass damals Infusionen von mehr als 50 Milliliter vor Wettkämpfen verboten waren, habe er nicht gewusst, verteidigte sich Mayer. Er gestand zudem, von dem Kroaten unter anderem EPO und Wachstumshormon bezogen zu haben. Die Mittel habe er aber nur für den Eigenbedarf gekauft und nie an jemanden weitergegeben.

Dem ehemaligen Langlauftrainer wurde vorgeworfen, von 2012 bis 2019 Sportler beim Dopen unterstützt zu haben und auch selbst Dopingmittel, darunter Wachstumshormon, Testosteron und Humanalbumin, an Sportler weitergegeben zu haben. Zudem soll er Blutdoping an Athleten praktiziert und damit zu deren Sportbetrug beigetragen haben.

Zeugen bestätigten Aussagen
Mit Mayer gemeinsam vor Gericht stand eine ehemalige Leichtathletin. Sie hatte bereits beim ersten Prozesstermin zugegeben, verbotene Substanzen in den Jahren 2018 und 2019 an andere Sportler weitergegeben zu haben. Zwei Zeugen bestätigten nun vor Gericht die Aussagen der Zweitangeklagten und gaben an, unter anderem EPO und Wachstumshormone über sie bekommen zu haben. Der Prozess gegen die beiden Angeklagten wird am Freitag fortgesetzt.

Mayer, der Trainer der österreichischen Skilanglauf-Goldstaffel der Heim-Weltmeisterschaft in Ramsau am Dachstein 1999, war bereits in mehrere Doping-Skandale verwickelt - beginnend mit den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City 2002. Im August 2011 wurde er am Wiener Straflandesgericht nach dem Anti-Doping- sowie dem Arzneimittel-Gesetz in erster Instanz zu fünfzehn Monaten Haftstrafe verurteilt. 2013 bestätigte das Wiener Oberlandesgericht die Strafe, setzte sie aber zur Gänze auf Bewährung aus.

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