28.06.2020 11:00 |

Bullen gegen Hartberg

Ein Duell zweier Fußball-Welten

Serien-Meister Salzburg bekommt es mit „Dorfklub“ Hartberg zu tun. Während die Mozartstädter in allen Bereichen top aufgestellt sind, hinken die Steirer deutlich hinterher, holen dafür aber das Maximum heraus.

Hier das hochmoderne Trainingszentrum in Taxham, das infrastrukturell alle Stückeln spielt. Dort ein Trainingsplatz, den sich die Spieler mit einer Schule teilen müssen. Hier eine Arena, die 30.000 Fans Platz bietet und höchsten Ansprüche genügt. Dort ein Stadion, ein dem mobile Tribünen aufbaut wurden, um bei Topspielen mehr Fans Platz bieten zu können. Hier ein international zusammengestelltes Ensemble, das Jahr für Jahr auf europäischer Bühne sein Können zeigen darf. Dort ein „Dorfklub“ (rund 6600 Einwohner), dessen Einzug ins Meister-Play-off kaum einer für möglich gehalten hatte.

Vorstand putzt bei Hartberg die Sitze

Das Duell zwischen Salzburg und Hartberg ist eines zweier Fußball-Welten. Bei den Steirern gibt es nur zwei Fixangestellte im Klub, der Rest arbeitet ehrenamtlich. So verdient etwa Hartbergs Pressesprecher in einer Steuerberatungsfirma seine Brötchen und opfert seine Freizeit, um dem Klub unter die Arme zu greifen. Der Vorstand wiederum putzt die Sitze auf den Tribünen und kratzt im Winter das Eis von den Sitzen.

Salzburg-Coach Marsch lobt Hartberg

Trotz aller Umstände gelang es dem Verein, sich sportlich derart gut auf die Beine zu stellen, dass er sich heute mit den Bullen messen darf und noch immer absolut realistische Chancen auf einen Europacupstartplatz hat. Weshalb Jesse Marsch seinen Hut vor den Oststeirern zieht. „Kompliment an Hartberg und Trainer Markus Schopp. Sie spielen sehr gut und mutig“, hält der Bullen-Coach fest.

Im letzten Duell fertigten die Mozartstädter den Underdog zwar mit 6:0 ab, auswärts sind die Hartberger im Play-off aber noch ohne Punkteverlust. Bullen-Verteidiger Andre Ramalho zeigt sich zuversichtlich: „Es zählt, was wir am Platz machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir ein gutes Spiel machen werden.“ Während die Gäste personell aus dem letzten Loch pfeifen, kann Marsch fast aus dem Vollen schöpfen. Und weiter auf eine Waffe bauen, die sich zuletzt als Prunkstück im ohnehin großzügig ausgestatteten Arsenal offenbarte.

Standards als Prunkstück im Arsenal der Bullen

Im Jahr 2020 kassierten die Mozartstädter noch kein einziges Tor nach einem ruhenden Ball, dafür erzielten sie in dieser Spielzeit bereits 25 Treffer nach Standardsituationen. „Das ist auch immer eine Mentalitätsgeschichte“, meint Co-Trainer Fränky Schiemer, der für die Standards verantwortlich zeichnet. „Wir haben einen enormen Schritt gemacht. Schön, dass wir so belohnt werden.“

Mentalität bei ruhenden Bällen - was bedeutet das? Schiemer: „Das hört sich kitschig an, aber es geht darum, wie sehr ich das Tor will und es durchziehe. Der Ball fliegt mir nicht auf den Schädel, ich muss mir das erarbeiten.“

Christoph Nister
Christoph Nister
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