03.06.2020 11:55 |

krone.at-Kolumne

Diskussion läuft in die völlig falsche Richtung!

Ja, das ist schon richtig: Die Bilder aus den USA sind in alle Richtungen besorgniserregend, Plünderungen zu verurteilen und die Reden Donald Trumps mehr aufhetzend als kalmierend. Dennoch vernebeln diese Nebenschauplätze den eigentlichen Kern der Diskussion. Das ist offenbar eine gängige Methodik in der Politik. Und das nervt.

Ein schwarzer Mann stirbt durch überschießende Polizeigewalt und die Welt redet über Antifa, Trump und Gott und die Welt. Die sich immer und immer wieder wiederholende schreiende Ungerechtigkeit von stumpfem Rassismus tritt in den Hintergrund, das Netz spricht lieber über die Gefährlichkeit von Randalierern, Plünderern und gewaltbereiten Idioten, die im Windschatten der friedlichen Demonstranten Scheiben einschlagen. Wer auch immer für die Umlenkung der Diskussion verantwortlich ist - Gratulation, es hat funktioniert!

Aus dem Politiker-Handbuch: So platziert man erfolgreich Nebelgranaten
Nicht nur international, sondern auch hierzulande ist das gezielte Anbringen von Nebelgranaten längst gang und gäbe, immerhin hat es sich vor allem in der Politik erfolgreich bewährt. Es ist ganz einfach: Poppt ein unliebsames Thema oder schlüssiges Argument auf, streue man einfach ein „Ja, aber …“ samt beliebiger anderer Ungerechtigkeit in die Runde. Je unpassender, desto erfolgreicher - schließlich möchte man das Gespräch auf etwas völlig anderes umlenken. Erfolgreich ist man dann, wenn am Ende keiner mehr weiß, worum es zu Beginn eigentlich ging, und alle frustriert den Diskurs verlassen. Alle genervt, Thema vom Tisch, Ziel erreicht.

Randalierer sind Trottel, sie gefährden auch den ernsthaften Diskurs
Die Diskussion rund um die Polizeigewalt bei Schwarzen in den USA ist aber viel zu wichtig, um sie durch Nebenschauplätze zu überdecken. Deswegen sind auch die aktuellen Demonstrationen nur folgerichtig - es braucht den Druck der Gesellschaft, um etwas zum Besseren zu ändern. Aber eines sollte trotzdem klar sein: Scheiben einschlagende Randalierer und brandwütige Trottel haben dort nichts zu suchen. Sie gefährden nämlich nicht nur sich selbst und andere, sondern auch die Ernsthaftigkeit des Themas. Und vor allem Letzteres darf nicht passieren.

Warum wir wieder zum Kern finden müssen
Denn: Eine Studie zeigt, dass einer von tausend schwarzen Männern durch die Polizei ums Leben kommt, das ist ein 2,5-fach höheres Risiko als bei weißen US-Bürgern. Das sind alarmierende Zahlen. Das Video, in dem ein weißer Polizist auf dem Hals eines Schwarzen kniet, der mehrmals „Ich kann nicht atmen“ keucht, gibt diesen blanken Zahlen ein erschütterndes Bildnis.

Nebenthemen wie Links- und Rechtsradikale haben zwar auch ihre Berechtigung, aber nicht zu diesem Zeitpunkt. Dass rassistische Gewalt im Jahr 2020 noch möglich ist - das sollte aktuell im Zentrum jedes Diskurses stehen. Erinnern wir uns immer daran, wo wir angefangen haben.

Katia Wagner, krone.at

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