11.04.2020 19:00 |

Lost in Isolation

Soziale Medien ersetzen persönliche Kontakte nicht

In den vergangenen Tagen hat es mir durchaus in den Kram gepasst, dass ich meiner Arbeit nicht im Großraumbüro in der Muthgasse nachgehen musste, sondern im Home-Office werken konnte. Der Grund dafür sind aber nicht die seit Wochen das Nachrichtengeschehen regierenden Coronaviren, sondern die rund 200-mal so großen Birkenpollen, gegen die ich allergisch bin.

Bereits seit Tagen zeigt die auf meinem iPhone installierte Pollen-App der Universität Wien die höchste Allergie-Stufe 4 (Bild unten) an. Möglicherweise hätten manche der KollegInnen bei krone.at die allergischen Symptome - die laufende Nase, die tränenden Augen und der gelegentlich aus den verengten Bronchien resultierende Husten - fälschlicherweise als Verkühlung, Grippe oder gar als Hinweise auf eine Covid-19-Infektion interpretiert.

Die Pollen, die unter dem Elektronenmikroskop optisch frappant dem Erreger SARS-CoV-2 ähneln, sind auch der Grund, warum ich in dieser Woche Outdoor-Aktivitäten weitestgehend vermieden habe. Selbst die Laufeinheiten im nahen Türkenschanzpark fielen in den vergangenen Tagen der aktuellen Belastung durch Birkenpollen zum Opfer.

Arbeiten zu Hause hat auch Vorteile, aber ...
Zugegeben: Das Home-Office hat auch seine Vorzüge. Keine Wegzeiten (in Summe bei mir fünf Stunden mehr Freizeit pro Woche), der Luxus, während Bildschirmpausen mit nacktem Oberkörper ein Sonnenbad auf dem Balkon zu genießen, die Möglichkeit, das Raumklima an meinem Arbeitsplatz selbst zu bestimmen (in einem Großraumbüro ist es für die einen immer zu warm und für die anderen zu kalt) und, und, und. Aber mit jedem Tag in sozialer Isolation wird klarer, dass da etwas fehlt ...

Krisen-Playlist: Spoon - „Isolation“ (Live in Howard Stern’s Studio)


Obwohl ich mich zur Gruppe der introvertierten Menschen zähle und gut für mich alleine sein kann, wird mir von Tag zu Tag mehr bewusst, was es ist, dass mir abgeht: Das sonnige „Hallo, Willi!“ von der Kollegin im Layout, wenn ich morgens an ihrem Arbeitsplatz vorbeimarschiere, das Fachsimpeln mit den Sport-Kollegen über ein Bundesliga-Spiel vom Vortag, der Schmäh, der in der Redaktion rennt, und der Austausch über Berufliches oder manchmal auch Privates mit KollegInnen in der Mittagspause.

... was fehlt, ist der persönliche Kontakt
Auch wenn so manche Psychologen die Ansicht vertreten, dass soziale Medien im Kampf gegen die soziale Isolation während der Coronavirus-Pandemie eine wichtige Rolle spielen: Ich bin da vielleicht etwas altmodisch. Sich mit Menschen über Messenger, WhatsApp und Co. auszutauschen ist einfach nicht das Gleiche wie ein persönliches Gespräch, der persönliche Kontakt.

Zitat Icon

Nobody told me there‘d be days like these.

John Lennon

„Nobody told me there‘d be days like these. Strange days indeed“, sang John Lennon - wenig Monate vor seiner Ermordung - Anfang August 1980. Eine Zeile, die 40 Jahre später plötzlich zur Beschreibung der Condicio humana 2020 geworden ist. Ja, es sind tatsächlich seltsame Zeiten, die wir gerade durchleben. Und das, so fürchte ich, wird sich wohl auch nicht so schnell ändern. Vorerst bleibt uns aber gar nichts anderes übrig, als Strategien zu entwickeln, wie wir die Zeit des Social Distancing und des Home-Office körperlich und geistig möglichst unbeschadet überstehen.

Krisen-Playlist: John Lennon - „Nobody Told Me“


Lost in isolation:
Der Großteil unserer Redaktion befindet sich derzeit zu Hause und muss sich - wie alle im Land - in einem völlig neuen Alltag zurechtfinden. Die Herausforderung, Job, Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen, hat eine neue Dimension erreicht. Unsere Erfahrungen und Gedanken zu dieser neuen Realität wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten: krone.at lost in isolation. Alle Artikel unserer Serie finden Sie hier!

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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