22.01.2020 08:45 |

Aufwertung der Lehre

Regierungsspitze in aller Früh in Wiener Backstube

Noch vor dem bereits relativ früh angesetzten Ministerrat am Mittwoch hat sich die Regierungsspitze - Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck - in aller Frühe in einer Backstube in Wien-Liesing eingefunden. Anlass war die angekündigte Aufwertung der Lehre - wie die Gleichstellung des Berufstitels Meister bzw. Meisterin mit dem Bachelor - sowie die geplante Novelle des Berufsausbildungsgesetzes. Dabei sollen eine Art „Teilzeitlehre“ kommen sowie die steten Bemühungen festgeschrieben werden, mit wirtschaftlichen und technischen Trends mitzuhalten.

„Die Aufwertung der Lehre war mir immer ein Herzensanliegen. Wir schaffen den Begriff Lehrlingsentschädigung ab, in Zukunft bekommen Lehrlinge wie alle anderen ein Einkommen. Wertschätzung beginnt auch immer mit der Sprache“, sagte Schramböck gegen 6 Uhr früh in der Bäckerei. So soll auch der Begriff „Verwendung von Lehrlingen“ gestrichen werden, daraus wird die „Beschäftigung“.

Noch am Mittwoch erfolge ein erster Schritt zur Aufwertung von Lehre und Meister, weitere seien geplant. So sollen in weiterer Folge das Thema Lehre nach der Matura aufgegriffen und neue Lehrberufe geschaffen werden. Auch der Handwerksmeistertitel soll künftig nicht das Ende einer Ausbildung darstellen, kündigte die Wirtschaftsministerin an.

Mehr Beachtung von Trends und Einführung von „Teilzeitlehre“
Evaluierungen sollen dafür sorgen, dass man in Österreich mit wirtschaftlichen und technischen Trends Schritt halten kann. Eine Art „Teilzeitlehre“ soll es für jene geben, die z.B. bereits Kinder haben. Dadurch soll es möglich sein, eine Lehre zu absolvieren, die Dauer der Ausbildung wird sich entsprechend verlängern.

Steuerlast, Bürokratie, mehr Netto vom Brutto ebenfalls Themen
Bundeskanzler Kurz habe bei der Firmenleitung der handwerklichen Bäckerei mit derzeit fünf Lehrlingen auch die Sorgen hinterfragt, wie er ausführte. Es gehe um die Rahmenbedingungen wie die Steuerlast, weniger Bürokratie und auch mehr Netto vom Brutto bei den Mitarbeitern. Einfache Bäckergesellen im Bäckergewerbe bekommen erst seit vorigem Herbst minimal mehr als 1500 Euro brutto.

Viele „leisten Beitrag, dass das Land so gut funktioniert“
Der Regierungschef betonte auch, dass die kleinen und mittleren Unternehmen das Rückgrat der heimischen Wirtschaft seien und Österreich auf der ganzen Welt für das duale Ausbildungssystem bewundert werde. „Wir freuen uns, wenn die jungen Menschen in die Lehre strömen. Eine gute Ausbildung ist eine Jobgarantie für die Zukunft“, sagte Kurz. Der Besuch zeige auch, wie viele Menschen in Österreich bereits in der Nacht und sonntags arbeiten würden und „damit einen Beitrag leisten, dass das Land so gut funktioniert“.

Kogler verwies darauf, dass sich die Aufwertung der Lehre im Arbeits- und Bildungsbereich des Regierungsübereinkommens findet. „Es geht um eine Aufwertung und eine bessere Durchlässigkeit sowie Anerkennung und Besserstellung der Lehre“, so der Vizekanzler.

Meister bzw. Meisterin künftig gleichgesetzt mit Bachelor
Der Meistertitel soll künftig auch in offiziellen Dokumenten eingetragen werden können. Der Titel „Meister“ oder „Meisterin“ kann nach einer notwendigen Änderung der Gewerbeordnung dem Namen vorangestellt werden. Als Titelabkürzung ist „Mst.“ bzw. „Mst.in“ vorstellbar und dem Bachelor gleichzusetzen.

Kurz: „Wär es nicht gescheiter, er macht nur Krapfen?“
Die Politiker ließen sich von Thomas Maurer, einem der Prokuristen der Bäckerei Schwarz mit 18 Filialen und rund 150 Mitarbeitern, durch die Produktion in Wien-Liesing führen. Maurer erläuterte unter anderem, dass der Betrieb gerade noch die Größe habe, dass die Bäcker allesamt noch alle Arbeiten erledigten, also nicht monoton die ganze Nacht etwa nur Semmeln produzieren. „Wär es nicht gescheiter, er macht nur Krapfen?“, wollte Kurz im Sinne von Effizienz wissen. Hier sei das nicht so, sagte Maurer.

Die Politiker schüttelten den Bäckern vor piepsenden Öfen die Hände, erkundigten sich nach deren Wohlbefinden und ob alles in Ordnung sei. Das war es auch für die Lehrlinge, die an diesem frühen Morgen besondere Aufmerksamkeit genossen.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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