19.01.2020 16:33 |

Gesichtserkennung

US-Firma sammelte Milliarden Fotos für Datenbank

Die Fotos von rund drei Milliarden Menschen sind offenbar von einer obskuren US-Firma im Internet gesammelt und in einer umfassenden Datenbank zur Gesichtserkennung gespeichert worden. Der Zugang zu dieser soll mehr als 600 Behörden angeboten worden sein.

Das berichtete die „New York Times“ am Wochenende unter Berufung auf das Unternehmen namens Clearview. Die zuvor praktisch unbekannte Firma trat erst durch die Recherchen der „New York Times“ an die Öffentlichkeit. Ein früherer Geldgeber war US-Milliardär Peter Thiel. Der PayPal-Mitgründer und Facebook-Investor ist für seine libertären Ansichten und als einer der wenigen erklärten Unterstützer von Präsident Donald Trump im Silicon Valley bekannt. Sein Sprecher sagte der Zeitung, Thiel habe Clearview im Jahr 2017 mit 200.000 Dollar unterstützt und dafür einen Anteil bekommen. Er sei ansonsten nicht beteiligt.

Gründer von Clearview ist der 31 Jahre alte Hoan Ton-That, der aus Australien in die USA kam. Zuvor hatte er einige wenig erfolgreiche Geschäftsideen gehabt, wie etwa eine App, mit der sich Nutzer auf ihren Fotos Trumps charakteristische Frisur verpassen konnten. Er habe zwischenzeitlich an eine Karriere als Model gedacht, dann aber beschlossen, ins Geschäft mit der Gesichtserkennung einzusteigen, sagte er der „New York Times“.

Bisher nie dagewesene Dimension
Angaben dazu, welchen Behörden Zugriff auf die Daten angeboten wurden, macht Clearview nicht. Auf ihrer Website lässt die Firma allerdings auf die Aufklärung von Sexualverbrechen spezialisierte kanadische Ermittler lobend zu Wort kommen.
Für die Datenbank selbst wurden dem Bericht nach öffentlich zugängliche Bilder bei Plattformen wie Facebook und YouTube oder dem US-Bezahlservice Venmo eingesaugt.

Eine Sammlung in dieser Dimension würde bisher bekannt gewordene Datenbanken zur Gesichtserkennung übertreffen. In den USA etwa prüfen die Behörden die Identität der Einreisenden per Gesichtserkennung - greifen dabei aber auf Bilder zurück, die speziell dazu aufgenommen wurden.

Politiker besorgt
Der Bericht enthält noch ein weiteres alarmierendes Detail: Nachdem einige Polizisten auf Bitten der Zeitung ihr Foto durch die Datenbank laufen ließen, seien sie von Clearview-Vertretern mit der Frage angerufen worden, ob sie mit der Presse sprächen. Der Firma zufolge hat die Software nur Alarm wegen ungewöhnlicher Suchanfragen geschlagen.
US-Senator Ron Wyden, Mitglied der Demokratischen Partei, zeigte sich besorgt und forderte, Amerikaner müssten wissen, ob ihre Fotos heimlich in einer privaten Datenbank landen.

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