Paralympics-Aufreger:

„Ich weiß nicht, was so ein Boykott bringen soll“

Wintersport
06.03.2026 10:37

Wie berichtet, boykottiert Österreich wie auch zahlreiche andere Nationen die Eröffnungsfeier der Paralympics in Italien. Nicht alle rot-weiß-roten Sportler aus dem 19-köpfigen Aufgebot finden das gut. So sagt der sehbehinderte Paraskifahrer Michael Scharnagl: „Ich trage die Entscheidung natürlich mit, aber ich wäre schon gerne zur Eröffnungsfeier gefahren. Ich weiß nicht genau, was so ein Boykott bringen soll.“

Hintergrund des Boykotts: Nach der Wiederaufnahme bei der IPC-Generalversammlung im Herbst dürfen sechs russische und vier weißrussische Aktive in Italien trotz des anhaltenden Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine in ihren Landesfarben samt Flagge und Hymne auftreten. Das gefällt vielen Nationen nicht.

Maria Rauch-Kallat, Präsidentin des Österreichischen Paralympischen Comitees, erklärte Donnerstag: „Wir hoffen sehr, damit ein sichtbares Zeichen für die Ukraine zu setzen. Bei der IPC-Generalversammlung haben wir gegen die Wiederaufnahme der russischen und weißrussischen Committees gestimmt, mussten die demokratische Entscheidung aber mittragen. Nach mehreren Diskussionen hat sich gezeigt, dass ein Boykott der Eröffnungsfeier in diesem Fall ein deutliches Signal für die Solidarität mit der Ukraine sein kann“, erklärte Maria Rauch-Kallat.

Maria Rauch-Kallat (li.)
Maria Rauch-Kallat (li.)(Bild: GEPA)

Extra frühere Anreise
Ski-Ass Michael Scharnagl trägt die Entscheidung natürlich mit. Aber ganz glücklich ist er damit nicht. Der Tiroler reiste für die Eröffnungsfeier extra früher nach Cortina, hätte auch kein Problem mit der langen Fahrt nach Verona gehabt: „Hätte ich von dem Boykott früher gewusst, wäre ich noch nicht angereist.“ Seine persönliche Meinung zu dem Thema ist: „Wenn wir ein echtes Zeichen setzen wollen, müssten wir die ganzen Spiele boykottieren. So fährt jetzt halt niemand zur Eröffnungsfeier. Aber unsere Fahnenträger werden trotzdem in die Fernsehbilder eingeschnitten. Es ist also kein 100-prozentiger Boykott.“

Michael Scharnagl
Michael Scharnagl(Bild: GEPA)

Jetzt wird der 36-Jährige, der im Slalom und im Riesentorlauf startet, die Zeit für Training nutzen. Während sein Stamm-Guide Lilly Sammer (16) Samstag in der Abfahrt mit Veronika Aigner fährt, wird er mit Guide Eric Digruber trainieren: „Ich kenne Eric schon lange, er war ja auch mehrere Jahre Cheftrainer des Paraski-Teams. Das passt gut. Dass Lilly nach dem Ausfall von Elisabeth Aigner jetzt auch Vroni unterstützt, ist selbstverständlich. Wir sind ja ein Team. Ich freue mich, dass Lilly jetzt auch die Abfahrt fahren darf. Denn ich traue es mich nicht mehr.“ Der Tiroler leidet an Morbus Stargardt, einer degenerativen Augenkrankheit, die sein Sehvermögen immer mehr beeinträchtigt. Aktuell hat der 36-Jährige auf dem rechten Auge vier Prozent Sehvermögen, auf dem linken zwei Prozent.

Durch das Skifahren hat Michael übrigens auch seine heutige Ehefrau Eva kennengelernt. Sie war im Paraski-Weltcup als Guide für die slowakische Fahrerin Alexandra Rexova unterwegs: „Bei einem Kaffee sind wir ins Gespräch gekommen.“ 2024 war privat das Traumjahr. Erst kam im Februar ihre Tochter zur Welt, ehe Eva und Michael im August heirateten.

ÖFB-Legionär Friedl als Patient
Neben dem Skifahren arbeitet Scharnagl, der schon zwei Kreuzbandrisse hinter sich hat, als selbständiger Physiotherapeut. Seine Praxis Myo-Physiotherapie erfreut sich in Kirchbichl großer Beliebtheit. Einst war auch der heutige Fußball-Teamspieler Marco Friedl (Werder Bremen) sein Patient: „Das war, als er noch im Nachwuchs von Bayern München gespielt hat. Er kommt auch aus Kirchbichl, ich kenne seine Tante sehr gut.“

Nach der Ausbildung arbeitete Michi übrigens das erste Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff: „Ich wollte etwas von der Welt kennenlernen. Am schönsten war es in der Karibik.“ Seine Sehbehinderung ist für den Beruf sogar ein Vorteil: „Ich bekomme von meinen Patienten immer wieder das Feedback, dass mein Gespür besonders gut ist und ich ihnen sehr gut helfen kann.“ Er sieht quasi mit seinen Händen.

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