Die Digitalsparte der Schwarz Gruppe, Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland, will sich als europäische Alternative zu Cloud-Computing-Marktführern wie Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure aufstellen. „Das ist das Ziel, was wir haben“, sagte Christian Müller, Co-Vorsitzender von Schwarz Digits, der Deutschen Presse-Agentur auf die Frage, ob man sich perspektivisch zutraue, ein „Hyperscaler“ zu werden.
So nennt man Cloud-Anbieter, die weltweit viele Server betreiben, um ihren Kunden in großem Umfang Speicher für Daten, Rechenleistung für Programme, KI und weitere Werkzeuge zur Verfügung zu stellen.
Kunden mit hohem Sicherheitsbedürfnis
Um auf dem Weg dorthin voranzukommen, sei es neben vielen anderen Faktoren auch wichtig, staatliche Institutionen als Kunden zu gewinnen. „Da brauchen Sie richtige Services dazu, Sie brauchen die richtigen Kunden dazu und das richtige Ökosystem“, sagte Müller am Rande einer von seinem Unternehmen organisierten Konferenz zur Cybersicherheit in Heilbronn. An all diesen Faktoren arbeite man zurzeit parallel. „Erste große Zielmarke ist 2027 Eröffnung erster Bauabschnitt Lübbenau“, fügte er hinzu.
Milliarden-Investition in Rechenzentrum
Die Schwarz Gruppe investiert elf Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum in Lübbenau im brandenburgischen Spreewald. Es handelt sich um die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. In dem neuen Rechenzentrum werden eigene Daten der Gruppe verarbeitet – also Daten aus Liefer- und Bestellprozessen, Bezahlvorgängen und Kundenbindungsprogrammen.
Speicher und Rechenleistung sollen aber auch externen Kunden angeboten werden. Eine Zusammenarbeit wurde bisher unter anderem mit der Polizei Baden-Württemberg und der Bundesagentur für Arbeit vereinbart.
Die Ideen kommen von hier
Die Erzählung, dass die großen Entwicklungen aus den USA kämen und die Europäer nur bei der Regulierung – etwa von Künstlicher Intelligenz – Vorreiter seien, sei falsch, sagte Co-Chef Rolf Schumann. Er betonte: „Die Ideen kommen wirklich von hier.“ Die USA seien vielmehr „ein Verkaufsmarkt“.
Neues politisches Problembewusstsein
Dass zu große Abhängigkeit von IT-Dienstleistern aus China und den USA zum Problem werden kann, sei den meisten politischen Entscheidern erst in den vergangenen zwei Jahren so richtig klar geworden, sagen Experten. Entwicklungen im Ukraine-Krieg spielten hier ebenso eine Rolle wie Spannungen im transatlantischen Verhältnis seit dem Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Als man gemerkt habe, „mit welcher Klarheit eine Regierung Trump ihre Interessen durchsetzt“, habe das schon einen Effekt gehabt, sagt Schumann.
Google und die Unternehmen der Schwarz Gruppe hatten im November 2024 Pläne für eine langfristige Partnerschaft bekannt gegeben. Unter anderem wurde damals angekündigt, die Unternehmen der Schwarz-Gruppe mit 575.000 Mitarbeitern würden auf Google Workspace migrieren, „um Sicherheit, Effizienz und Kontrolle ihrer Souveränität zu maximieren“.
Zweigleisig fahren
Aus seiner Sicht gelte grundsätzlich, „wenn es da eine souveräne Lösung gibt, dann sollte man darauf setzen“, sagt Müller. Die Schwarz-Gruppe komme aus dem Handel und da gelte, dass man immer zwei Lieferanten brauche, falls einer einmal ausfallen sollte. „Wir haben bei uns Google im Einsatz, und wenn Google nicht funktionieren sollte, dann nutzen wir Zendis OpenOffice als Backup-Lösung.“
Dabei handelt es sich um eine Verwaltungssoftware, deren Entwicklung von der deutschen Bundesregierung als Schritt hin zu mehr Unabhängigkeit von außereuropäischen Dienstleistern finanziert wurde. Die vom Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (Zendis) entwickelte Lösung ermöglicht die Nutzung von Cloud-Speicher, E-Mail-Funktionen, Chats, Videokonferenzen und anderen Elementen, unabhängig von Produkten oder Dienstleistungen von US-Unternehmen. Sie wird unter anderem auch vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag genutzt.
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