13.01.2020 11:30 |

Tourengehen

Auf den gesperrten Pisten lauert der Tod

Die Diskussion um das abendliche Tourengehen auf Skipisten ist nach einem Unfall in der Wildschönau neu aufgeflammt. Schwarze Schafe bringen die Sportart in Verruf, wie auch das Prügelvideo auf dem Rangger Köpfl zeigte. 

Weil sie trotz Warnhinweisen in das Stahlseil eines Pistengeräts fuhren, verletzten sich erst kürzlich in der Wildschönau zwei Pistentourengeher. „Ähnliche Vorfälle, die bei uns bisher glimpflich ausgingen, kennen wir auf der Muttereralm zur Genüge“, ärgert sich Stefan Klotz, Geschäftsführer der dortigen Bergbahnen. Es gebe unter den Pistengehern leider viele schwarze Schafe, die alle Warnhinweise ignorieren. Die Konsequenz: Sie bringen sich selbst in Lebensgefahr, machen den Ratracfahrern das Leben schwer und das Image der neuen Trendsportart kaputt.

„Bergwächter im gesperrten Bereich“
„Es kam bereits vor, dass Tourengeher unter dem angespannten Seil der Pistenraupe durchspazieren – davon haben wir ein Video“, sagt Klotz. „Zuletzt haben wir sogar Bergwächter fotografiert, die im gesperrten Bereich abfuhren.“

Ähnliche Erfahrungen hat Ludwig Schäffer, Geschäftsführer der Bergbahnen in der Wildschönau, gemacht. „Leichtverletzte hatten wir schon oft, und oft ist es knapp hergegangen“, erzählt Schäffer. Dabei hat man, um die Herausforderung des abendlichen Tourengehens in den Griff zu bekommen, drei Abende in der Wildschönau bzw. im Alpbachtal für den Tourenskilauf freigegeben. „Zunächst stellten wir eine Besserung fest, inzwischen sind aber wieder einige Unbelehrbare unterwegs“, bedauert er.

„Die Seile kann man nicht sehen“
Die Leute seien sich nicht bewusst, welcher Gefahr sie sich aussetzen, wenn Pistengeräte, die an Stahlseilen hängen, im Einsatz stehen. „Die Seile kann man nicht sehen. Und die Raupenfahrer haben fast keine Möglichkeit, einen Tourengeher zu bemerken, der weit unter ihnen im Stahlseil hängt. “

Drastische Mittel
Auf der Muttereralm versucht man jetzt, mit drastischen Maßnahmen der Situation Herr zu werden. „Wir machen Fotos von den Leuten und sagen ihnen, dass wir sie damit nach Unfällen leichter identifizieren können“, sagt GF Stefan Klotz. „Wir wollen niemanden verdrängen und versuchen weiter, mit Aufklärung zu erreichen, dass sich mehr Tourengeher an die vorgegebenen Zeiten halten“, hofft Ludwig Schäffer auf mehr Einsicht der Sportler.

„Die rechtliche Handhabe fehlt“
Obwohl die Muttereralm fünf Abende pro Woche für die Tourengeher freigibt, ist GF Stefan Klotz laufend mit Übertretungen konfrontiert. 

Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, dass es beim (abendlichen) Pistentourengehen möglichst nicht zu Unfällen kommt?
Wir bieten von Montag bis Freitag bis 20 Uhr bzw. am Mittwoch sogar bis 22 Uhr Tourengehern die Möglichkeit, ihre Sportart bei uns sicher auszuüben. Dazu haben wir sogar ein Tourengeherleitsystem installiert und entsprechende Informationstafeln im Skigebiet angebracht. Darauf sind beispielsweise die Aufstiegsrouten genau beschrieben.

Wie haben die Hobbysportler darauf reagiert?
Sie haben es leider nicht wirklich angenommen, es funktioniert nur selten. Wenn wir schwarze Schafe erwischen, haben die sehr viele Ausreden parat.

Warum verweisen Sie diese Personen nicht von den Pisten?
Dafür stehen uns keine rechtlichen Grundlagen zur Verfügung. Hier müsste auf Landesebene etwas passieren.

Nimmt die Zahl der Pistentourengeher zu?
Ja, es wird tendenziell mehr. Wir sehen außerdem oft, dass viele wenig Ahnung vom echten Tourengehen im alpinen Gelände haben. Die tun sich dann oft bereits schwer, Spitzkehren einzulegen.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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