29.12.2019 12:00 |

Design-Star

DS3 Crossback: Extravaganz gut gemachter Crossover

„Ist das der neue Citroen DS3?“ - „Jein, es ist der DS3 Crossback.“ - „Ah, also der Citroen DS3 Crossback! Schaut cool aus!“ - „Nein, also ja, schaut cool aus, ist aber kein Citroen. Die Marke heißt DS, das Modell heißt 3 Crossback.“ Ein Dialog aus dem Testalltag mit dem kleinkompakten Franzosen, der auf Anhieb mit seinem extravaganten Auftritt besticht. Der hat aber durchaus einen Preis, und das nicht nur finanziell.

Die Optik ist tatsächlich speziell. Als wild-bullig-verspielt könnte man das Karosseriedesign bezeichnen, kreative Linien überall, ein aggressiver Blick, vor allem mit den optionalen (bzw. hier in der Super-Top-Ausstattung La Premiere serienmäßigen) LED-Matrix-Scheinwerfern. Der Clou sind aber die in den hinteren Stoßfänger integrierten Auspuffendrohre bzw. -blenden. Von der Seite fallen vor allem die verhältnismäßig riesigen 18-Zoll-Räder auf, sowie die Haifischflosse an der B-Säule.

Beim Herumgehen um das Auto entdeckt man immer wieder Neues. Vor allem aber beobachtet man das Türgriff- und Spiegel-Ballett, weil Türgriffe und Außenspiegel automatisch ausklappen, sobald man sich einer der vorderen Türen nähert, und einklappen, wenn man einen Schritt nach vorne oder hinten geht. Klapp-klapp-summmmmmm. Klapp-klapp-summmmmmm.

Drücken Sie die Raute-Taste!
Steigen wir also lieber ein. Was für ein Innenraum! Design vom Feinsten, vieles rautenförmig angelegt, die seitlichen Lüftungsausströmer in die Türverkleidungen integriert, und dann diese stylisch-eckigen Schalter neben dem Automatikwählhebel! Der verantwortliche Designer muss sich im Herzen heimlich als Klingone fühlen.

Design geht hier über Sicherheit
Angenehm oder praktisch zu bedienen ist das nicht wirklich. So sind die meisten (aber nicht alle) Schalter am Armaturenbrett als Touchflächen ausgeführt, da fehlt dem Finger das erwartete Tastendrückgefühl. Und die bereits beschriebenen schönen Schalter sind lediglich für die Fensterheber zuständig. Fensterhebertasten gehören in die Türen. Punkt. Grundsätzlich, aber hier auch im Speziellen, denn es herrscht akute Verwechslungsgefahr mit der Parkbremse. Brake check nennt man das auf Neudeutsch, wenn man während der Fahrt versehentlich den Bremshebel zieht, statt das linke Fenster zu schließen. Wenn der Hintermann daraufhin ins Heck kracht oder erschrickt und die Lenkung verreißt, kann man sich kaum auf das Design der Schalter herausreden.

Mittelmäßiges Platzangebot angesichts der Größe
Von einem 4,12 Meter kurzen Auto darf man sich im Innenraum keinen Ballsaal erwarten, aber vorne herrscht objektiv betrachtet keine Enge. Auf den Rücksitzen geht es beengter zu, auch das Ein- und Aussteigen in den und aus dem Viertürer erfordert etwas Geschick. Der Kofferraum hingegen geht mit 350 bis 1050 Liter in Ordnung. Her ist nur etwas unangenehm, dass man zum Öffnen unter die Stoßstange greifen muss, wo es meistens schmutzig ist. Und den Kofferraumdeckel mit dem dafür innen vorgesehenen Griff zuzuziehen ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Überraschender Top-Motor
Aber genug der Betrachtung im Stand, der DS3 Crossback schaut so aus, als wäre er spaßig zu fahren. Und das ist er auch. Hier an Bord ist der Top-Motor der Modellreihe, ein Dreizylinder-Benziner. Das klingt zunächst nach einem Widerspruch, ist es aber nicht, denn der 1,2-Liter-Turbo leistet muntere 155 PS und stemmt ab 1750/min. 240 Nm. Da geht richtig die Post ab, was man den Vorderrädern auch anmerkt. Der gut 1,2 Tonnen schwere Crossover beschleunigt in 8,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h (Werksangabe), die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 208 km/h verfehlte der Testwagen um 4 km/h (GPS-gemessen). Und eine Achtgangautomatik, wie sie mit diesem Motor serienmäßig ist, kann man in der Klasse lange suchen.

Was den Fahrspaß betrifft, enttäuscht der DS3 Crossback die durch das Design geweckten Erfahrungen nicht. Das Fahrwerk ist knackig und die direkte Lenkung lädt zum Kurvenwedeln ein. Schwierig ist es damit allerdings, ruhig und geschmeidig zu fahren, weil man das direkt dann als nervös wahrnimmt und die Lenkung außerdem ziemlich gefühllos agiert. Auch der (optionale) teilautonome Spurassistent scheint nicht so gut damit zurechtzukommen, er orientiert sich viel zu nah an den Linien, statt in der Mitte dazwischen zu fahren. Außerdem ist er schon in leichten Kurven überfordert.

Apropos Assistenten: Tempomat, einfacher Spurhalteassistent und Auto-Notbremse sind Serie. Die optionale Verkehrszeichenerkennung hier ist eine der wenigen, die die 140er-Bereiche auf der Westautobahn erkennen.

Fahrzeugbedienung im Detail nicht ideal
Positiv fällt der gut gedämmte Innenraum auf, es ist wirklich leise im DS3 Crossback, auch der Motor hält sich angenehm zurück. Weniger gut für den Komfort ist die zwar serienmäßige, aber zu schwache Zweizonenklimaautomatik. Auch das während der Fahrt gegen den Unterschenkel drückende Türfach ist ein auf Dauer eher lästiges Detail. Ebenso der schon traditionell nervige Telespiel-Blinkersound.

Die Anzeigen sind allesamt digital, ein riesiges Touchdisplay in der Mitte und ein überraschend kleines hinterm Lenkrad. Optional thront darüber eine ausklappbare Plexiglasscheibe als Head-up-Display. Das ist praktisch, aber die Scheibe steht stärker im Blickfeld des Fahrers als bei anderen Herstellern, weil die Konsole ziemlich hoch ist. Das mag daran liegen, dass die ganze Konstruktion auch in einem Peugeot funktionieren soll, wo die klassischen Armaturen bekanntlich über dem Lenkrad, also sehr hoch angebracht sind. Ich fühle mich jedenfalls ziemlich eingebaut.

Das Gefühl des Eingebautseins verstärkt sich beim Rangieren oder Abbiegen: Der DS3 Crossback ist in alle Richtungen extrem unübersichtlich. Nicht zuletzt wegen der oben erwähnten Haifischflossen, außerdem zieht sich die Motorhaube seitlich so nach oben, dass sie die Sicht etwas versperrt. Da muss man schon genau aufpassen, damit man sich nicht irgendwo einbaut.

Preise
Die Preisliste für den DS3 Crossback beginnt bei 28.380 Euro für das Basismodell „So Chic“ mit 102-PS-Dreizylinder-Benziner und manuellem Schaltgetriebe. Auch ein 130-PS-Benziner mit Achtgangautomatik ist erhältlich. Die beiden Diesel leisten 100 bzw. 130 PS und kosten ab 29.580 bzw. 33.430 Euro. Das Topmodell „La Premiere“ kostet 41.440 Euro.

Unterm Strich
Der DS3 Crossback ist vor allem eines: extravagant. Kritiker werden vielleicht sagen „gewollt extravagant“. Das kann man mögen, muss dafür aber die eine oder andere Schrulle in Kauf nehmen. Und - so lange die Marke noch nicht so bekannt ist - immer die gleichen Fragen beantworten.

Warum?
Extravagante Optik, und der Innenraum ist bestechend schön
Spritziger Top-Dreizylinder

Warum nicht?
Unübersichtlich und teilweise unpraktisch

Oder vielleicht …
… VW T-Cross, Mini Countryman, Audi Q2. Oder auf die Elektroversion warten.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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