08.11.2019 15:00 |

„Manspreading“

Öffi-Comic für Wiener Linien „nicht sexistisch“

Männer sollen in U-Bahn & Co. nicht breitbeinig sitzen: Die Internet-Kampagne - die Wiener Linien nennen es „Tutorial“ - sorgt wie berichtet für Riesenwirbel, auch „Krone“-Kolumnistin Katia Wagner nahm sich des Themas an. Ist das Comic sexistisch, weil es Männer als rücksichtlos und Frauen als hilflos-brave Duckmäuse zeigt? Damit haben sich sogar Konsumentenschützer und der Werberat beschäftigt.

„Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!“ Die Verkehrsbetriebe halten ihr Comic logischerweise für „nicht sexistisch“, mit skurrilen Begründungen (siehe Faksimile), wonach Männer und Frauen in gleicher Größe dargestellt seien, die Frau hält ihre Tasche rücksichtsvoll richtig und die Personen seien divers (also nicht nur weiße Menschen) wiedergegeben.

Wiener Linien: „Keine Diskriminierung sondern Fakt“
Zudem wird darauf verwiesen, dass „Manspreading“ keine Diskriminierung, sondern Fakt sei. So thematisiere New York das Thema sogar mit eigenen Piktogrammen in den Öffis und Madrid habe dieses Verhalten gar verboten.

Auch in Russland ist „Manspreading“ ein bekanntes Thema. Dort hatte im Vorjahr eine Aktivistin gegen männliche Fahrgäste, die im öffentlichen Verkehr mit extrem breitbeiniger Sitzhaltung ihren Nachbarn die Bewegungsfreiheit nehmen, angekämpft - mit hochprozentigem Bleichmittel, das sie den Männern in den Schritt goss und das bleibende Flecken hinterließ.

Aber zurück nach Österreich, wo auch Arbeiterkammer und Werbebeirat in dem Comic-Tutorial keinen Verstoß sehen, weil die Verhaltensregel „humoristisch“ gemeint sei. Die Wiener Linien verzeichnen bisher 16.000 Reaktionen auf ihren Tweet und fast 2000 Einträge auf Facebook. „Die Meinungen sind durchaus kontrovers“, sagt Unternehmenssprecher Christoph Heshmatpour. Mittlerweile sprang auch das Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof auf das Thema auf und sorgt mit dem Foto eines Sargs für Lacher.

Bestraft wird breitbeiniges Sitzen (noch?) nicht. Und der nächste Aufreger ist schon in Planung. Vielleicht ein Folder gegen zu große Taschen in Bus und U-Bahn?

Kronen Zeitung/krone.at

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