09.10.2019 15:00 |

Patienten 2. Klasse?

Monatelange Wartezeit für psychisch Kranke

Alarmierende Zahlen zum internationale Tag der psychischen Gesundheit: Erkrankungen der Seele kosten uns bis zu 12 Milliarden Euro jährlich. Der Grund liegt vor allem darin, dass unzureichend, zu spät oder gar nicht behandelt wird. Die Anzahl der Patienten wird in Österreich auf 1,2 Millionen Menschen geschätzt.

„Die häufigsten Ursachen für psychische und schwere körperliche Erkrankungen sind frühe Traumatisierungen, Lebens- und Beziehungskrisen, finanzielle Existenzängste, Todesfälle und Gewalterfahrung“, fasst Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger, Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen (BÖP) zusammen. Vor allem Frauen sind besonders betroffen. Ihnen werden zwei Drittel aller Psychopharmaka verschrieben. Monatelange Wartezeiten - gerade für Kinder und Jugendliche - sind keine Seltenheit.

Wer sich zu einer Therapie durchringt, aber nicht über die nötigen finanziellen Mittel für Privatärzte verfügt, hat das Nachsehen, wie Univ. Prof. Dr. Johannes Wancata, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP), betont: „Es darf nicht sein, dass psychisch schwer kranke Menschen monatelang auf eine Behandlung durch einen Facharzt bzw. eine Fachärztin warten müssen, wenn sie die Behandlung nicht aus eigener Tasche bezahlen können. Diese Form der Zwei-Klassen-Medizin ist inakzeptabel und eine Schande für eines der reichsten Länder der Welt.“ Das führt nicht nur zu persönlichem Leid, sondern auch Arbeitsausfällen, Ausbildungslücken und Krankheitsverschlechterung - Hauptgrund für hohe Folgekosten. Anbei eine paar Beispiele:

  • Die Ausgaben für Invaliditätspension und Rehabilitationsgeld aufgrund psychischer Erkrankung sind zwischen 2007 und 2016 um 62 Prozent (auf 368,26 Millionen Euro) gestiegen
  • Psychisch bedingten Krankenstandstage bei Erwerbstätigen erhöhten sich im selben Zeitraum um 1,80 Millionen Tage. Zwei Drittel der Frühpensionen resultieren daraus.
  • Die Kosten für Psychopharmaka sind in Österreich seit 2005 jährlich um 20 Millionen Euro gestiegen

  • Die Behandlung psychischer Krankheiten in den Spitälern kostet rund 280 Millionen Euro jährlich

  • 250 Millionen verschlingen verschriebenen Psychopharmaka, 71 Millionen fließen in Form von Krankengeld. Würde man das Behandlungsangebot der Krankenkassen erhöhen, könnten all diese Kosten gesenkt werden.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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