Massive Lücken

Ärzte schlagen Alarm: Vorsorge ist völlig veraltet

Wien
20.01.2026 16:00

Zu viel Bürokratie, zu wenig Prävention: Die Ärztekammer Wien fordert für 2026 moderne Vorsorgeprogramme, weniger Papierkrieg und bessere Bedingungen für Ärzte – sonst leidet die Versorgung der Patienten.

Der Tenor der Führung der Wiener Ärztekammer ist klar: „So wie bisher darf es nicht weitergehen.“ Die Kammer präsentierte jetzt ihre gesundheitspolitische Aufgabenliste für 2026 an die Politik – und zeichnete ein System, das an entscheidenden Stellen knirscht. Kammerpräsident Johannes Steinhart stellte klar, worum es aus Sicht der Ärzte gehen muss: „Bei medizinischen und gesundheitspolitischen Entscheidungen muss immer die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt stehen – nicht eine ökonomische, bürokratische oder politische Logik.“

Manche Erfolge, aber noch viel Arbeit
Im Rückblick zeigte sich Steinhart mit einigen Fortschritten zufrieden: kostenlose Impfungen, ausgeweitete Darmkrebsvorsorge, eine Einführungsphase bei der umstrittenen Diagnosecodierung. Gleichzeitig warnte er vor einem wachsenden Zeitfresser im Alltag der Ärzte. Rund ein Drittel der Arbeitszeit gehe mittlerweile für Bürokratie drauf – Zeit, die bei Patienten fehlt.

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Manchmal ist es wichtiger, einen Heilungsprozess zu ermöglichen, als irgendwelche Excel-Dateien auszufüllen.

Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien

Vorsorge modernisieren, Lücken schließen
Besonders dringlich sehen die Wiener Ärzte den Bereich der Vorsorge. Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte, sprach von einem „Frühwarnsystem“, das nicht mehr zeitgemäß sei. Strukturierte Vorsorgeuntersuchungen seien essenziell, würden aber zentrale Lebensphasen ausklammern. Zwischen dem Ende der Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen und dem 18. Lebensjahr klaffe eine massive Lücke. Kamaleyan-Schmied forderte daher ein eigenes Screening-Programm für Kinder und Jugendliche. Prävention müsse früh beginnen, sonst zahle das System später doppelt. Auch die Ausweitung des Impfprogramms sei überfällig. 

Präsident Johannes Steinhart mit Vizepräsidenten Naghme Kamaleyan-Schmied und Eduardo ...
Präsident Johannes Steinhart mit Vizepräsidenten Naghme Kamaleyan-Schmied und Eduardo Maldonado-González.(Bild: Stefan Seelig)

Weniger Bürokratie, bessere Ausbildung
Neben der Vorsorge rücken die Arbeitsbedingungen der Ärzte in den Fokus. Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte, warnte vor einem System, das hochqualifizierte Mediziner an den Computer fesselt. Codierungen, Dokumentationen, Verwaltungsarbeit – all das blockiere Ressourcen, während Personal fehlt.
Seine Forderung: fixe Ausbildungszeiten im Dienstplan, mindestens 20 Prozent, frei von Routinetätigkeiten. Zusätzlich brauche es ausbildungsverantwortliche Fachärzte, die sich gezielt um den Nachwuchs kümmern. Ausbildung und Erfahrung müssten zusammenspielen – sonst drohe Frust bei den Jungen und ein Exodus aus den Spitälern.

Weiter warten auf versprochenenes Gehaltspaket
Auch bei den Gehältern sieht Maldonado-González Wien im Hintertreffen. Während andere Bundesländer mit Zuschlägen und Vollzeitboni Ärzte halten, hinke die Bundeshauptstadt hinterher. Einsparungen dürften nicht auf Kosten von Personal und Patienten gehen, warnte er.

Wieder mehr Zeit für die Patienten
Ein zentrales Schlagwort des Vormittags lautete Entbürokratisierung. Steinhart forderte einen eigenen Gipfel mit Ärzten, Sozialversicherungen, Spitälern und Politik. Ziel: konkrete Maßnahmen, weniger Papier, mehr Medizin. „Ärzteknappheit lässt sich nicht mit Formularen bekämpfen“, so der Präsident.

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