18.11.2019 08:22 |

Windows Phone & Co.

Ziemlich voll: Der Friedhof der Smartphone-Systeme

Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt läuteten Apple und Google die Smartphone-Revolution ein. Dass Apples iPhone-Software iOS und Googles Android einmal die erste Geige bei den mobilen Betriebssystemen spielen würden, war damals noch nicht abzusehen. Etliche Rivalen, die teilweise deutlich mehr Erfahrung vorweisen konnten, stellten sich ihnen in den Weg. Doch keiner konnte es mit ihnen aufnehmen.

So kam es, dass im Laufe der Jahre ein Friedhof der Smartphone-Betriebssysteme entstand. Begraben liegen dort große Namen von Blackberry bis Palm, die schon Jahre vor den ersten Smartphones mit E-Mail-fähigen Tastatur-Handys und sogenannten PDAs so etwas ähnliches wie später Google und Apple anboten. Aber auch weniger bekannte Betriebssysteme wurden beerdigt. Ein Überblick.

Blackberry OS: In den ersten Jahren der Smartphone-Revolution konnte sich BlackBerry OS des kanadischen Unternehmens Research In Motion (RIM) noch gegen die Rivalen behaupten, der Marktanteil lag vor zehn Jahren bei rund 20 Prozent. Dann verlor das Blackberry-System aber den Anschluss, Anfang 2014 verschwand es in der Bedeutungslosigkeit. Und das, obwohl es schon früh beliebte Funktionen wie Fotoversand und Voice-Chats anbot.

Symbian OS: Mit diesem Betriebssystem versuchte Nokia - anfangs gemeinsam mit anderen Herstellern - zu Beginn der Smartphone-Revolution, sich gegen die aufstrebende Konkurrenz zu behaupten. Allerdings ohne großen Erfolg: Nachdem Nokia einige Jahre lang erfolgslos Handys mit Symbian OS auf den Markt brachte, versuchte man 2011, zu retten, was noch zu retten war, und gründete eine Allianz mit Microsoft. Nokia-Smartphones gab es ab diesem Zeitpunkt nur noch mit Microsoft Windows Phone.

Windows Phone: Microsofts Betriebssystem konnte sich trotz Partnerschaft mit Nokia, im Zuge derer Microsoft sogar die Smartphone-Produktion der Finnen kaufte, nicht gegen die Rivalen durchsetzen. Microsoft versuchte ab 2010 jahrelang, mit Windows Phone zur dritten Kraft neben Apple und Google aufzusteigen und ließ seine Bemühungen nach der Veröffentlichung von Windows 10 im Sommer 2015 langsam versanden. 2017 wurde die Weiterentwicklung eingestellt, zwei Jahre später stellte Microsoft nun ein Smartphone mit Android-Betriebssystem vor.

Samsung Bada: Der koreanische Smartphone-Marktführer versuchte von 2010 bis 2013, eine Android-Alternative zu etablieren und brachte in dieser Zeit auch einige technisch durchaus starke Smartphones mit Bada auf den Markt. Das Problem: Die Entwickler nahmen die Android-Alternative nicht ernst, im hauseigenen App Store herrschte gähnende Leere. Das war wohl auch der Hauptgrund, wieso Bada nicht mehr weiterentwickelt wurde - und letztlich ins neuere Samsung-Betriebssystem Tizen überging, mit dem der Konzern heute unter anderem Fernseher ausstattet.

WebOS: Das Betriebssystem des Mobilgeräte-Pioniers Palm, der schon Ende der Neunziger Geräte im Angebot hatte, die modernen Smartphones gar nicht so unähnlich waren, konnte sich - ebenso wie BlackberryOS - trotz viel Erfahrung nicht gegen Android und iOS durchsetzen. Mitte 2009 startete Palm mit WebOS und neuen Geräten einen letzten Angriff auf die Rivalen, schon zwei Jahre später erklärte man WebOS für gescheitert. Das Betriebssystem wurde zuerst von HP, dann von LG übernommen - und ist heute auf den Smart-TV-Geräten der Koreaner im Einsatz.

Firefox OS: Auch der Browser-Hersteller Mozilla versuchte sich schon an einem Smartphone-Betriebssystem. Mozilla stieg erst 2012 in dieses Geschäft ein und brachte mit Partnern wie ZTE und Alcatel einige Smartphones mit Firefox OS auf den Markt. Die Plattform hatte allerdings durch die geringe App-Auswahl und mäßig attraktive Geräte keine Chance gegen die Konkurrenz. 2016 wurde die Weiterentwicklung offiziell eingestellt, ein zweites Leben startete Firefox OS als TV-Betriebssystem auf Fernsehern von Panasonic. Mit Kai OS gibt es einen Nachfolger, der auf einigen wenigen Billig-Smartphones Verwendung findet.

Viele haben es versucht - viele sind gescheitert
Es gäbe noch eine Reihe anderer Namen, die sich im Laufe des letzten Jahrzehnts als Herausforderer für Android und iOS versucht haben. Da wäre etwa SailfishOS, das vom Start-up Jolla entwickelt wurde, in dem viele ehemalige Nokia-Mitarbeiter unterkamen. Oder Ubuntu Phone, die Smartphone-Variante des gleichnamigen Linux-Betriebssystems für den PC. Oder Meego, eine von Nokia und Intel vorangetriebene Linux-Version für Mobilgeräte, die später in Samsungs Tizen und SailfishOS überging.

Eines haben all diese Systeme der Vergangenheit gemeinsam: Sie scheiterten letztlich daran, dass zu wenig Apps für die verfügbar waren - und zeigten damit, dass selbst finanzkräftige Konzerne wie Microsoft oder Samsung auf die Unterstützung der App-Entwickler angewiesen sind, wenn sie eine neue Plattform etablieren wollen. Denn ohne Apps wandern die Kunden ganz schnell dorthin ab, wo sie die begehrten mobilen Anwendungen finden.

Altert unsere Elektronik zu schnell? Im Zeitalter der geplanten Obsoleszenz und täglich neuer Cyber-Bedrohungen beschäftigt diese Frage nicht nur Besitzer älterer Geräte, sondern betrifft jeden. Wir widmen uns dem Thema deshalb auf krone.at mit einem Special, erklären, wieso manche Smartphones ab Jahresende kein WhatsApp mehr haben, welche Anbieter im Kampf um die Nutzergunst auf der Strecke geblieben sind - und wie man das Risiko eines Fehlkaufs minimiert.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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