18.11.2019 05:56 |

Updates und Standards

Technik-Kauf: So setzen Sie auf das richtige Pferd

Wer Elektronik kauft, hat die Wahl: Auf den bekannten Anbieter vertrauen, den viele Menschen nutzen, oder doch zum Underdog greifen, der vielleicht mehr Funktionen für weniger Geld bietet? Freunde des Underdogs gehen allerdings ein Risiko ein: Wenn ihr Anbieter seine Software nicht pflegt oder insolvent wird, kann nach einer Weile das ganze Gerät obsolet werden. Wir erklären, worauf Sie achten sollten, um nicht aufs falsche Pferd zu setzen.

Im Laufe der Jahre hat wohl jeder schon einmal ein Gerät angeschafft, das sich im Nachhinein als Fehlkauf entpuppt hat. Dem Autor dieses Artikels ist es schon öfter passiert. 2010, als Samsung mit seinem Wave ein technisch starkes Smartphone zum verführerisch günstigen Preis auf den Markt brachte. Der Haken: Für das Bada-Betriebssystem auf dem Gerät gab es quasi keine Apps. Oder 2013 mit Microsofts Surface RT, einem technisch starken Tablet, das durch sein geflopptes Windows-RT-Betriebssystem heute nur mehr ein digitaler Bilderrahmen ist. Oder im Falle einer vernetzten Stereoanlage von Sony, bei der die Begleit-App nach einem Update des Smartphone-Betriebssystems schlicht nicht mehr startete.

Gute Hardware allein macht kein gutes Produkt aus
Was lernt man aus solchen Fehlkäufen? Zunächst einmal, dass gute Hardware allein noch kein gutes Produkt ausmacht. Samsung Wave, Microsoft Surface RT, die vernetzte Stereoanlage: All diese Anschaffungen boten viel Hardware fürs Geld, scheiterten letztlich aber an der Software. Wer auch in ein paar Jahren noch auf der sicheren Seite sein will, greift demnach zu etablierter Software. Android statt Bada. Ein vollwertiges Windows 10 statt exotischer Varianten, für die niemand Software macht. Eine vernetzte Stereoanlage, die mit herstellerübergreifenden Smart-Home-Standards wie UPNP, Spotify Connect oder Google-Chromecast-Streaming aufwartet, statt herstellereigene Protokolle und Apps zu nutzen. Kurzum: Was etabliert ist und Software mit hohem Marktanteil nutzt, ist oft die sicherere Wahl.

Forschen Sie nach: Wie schnell kommen Updates?
Ebenfalls wichtig: Vor dem Kauf sollte man sich über die Updatefreudigkeit des Herstellers informieren. Gerade bei Android-Smartphones gibt es Hersteller, die ihre Geräte nach der Markteinführung widerwillig updaten und die Kunden lang warten lassen, bis sie - wenn überhaupt - mit neuen Android-Versionen versorgt werden. Der Nutzer wartet dadurch nicht nur länger, er ist auch im Nachteil, wenn Sicherheitslücken auftreten, durch die Angreifer ins System schlüpfen können. Das haben in den letzten Jahren auch die großen Smartphone-Hersteller wie Samsung und Huawei gelernt, die an der Update-Front spürbar nachgebessert haben. Zahlreiche unbekanntere Hersteller von Android-Smartphones sind aber weiterhin Update-Muffel.

Android One sorgt für schnelle Updates
Wer wirklich schnelle Updates will, greift heutzutage zum Smartphone mit Android-One-Betriebssystem. Dabei handelt es sich um eine Android-Version ohne herstellerspezifische Dreingaben, die schnellstmöglich und direkt von Betriebssystem-Hersteller Google mit Updates versorgt wird. Entsprechende Geräte haben beispielsweise Lenovo oder HMD Global mit der Marke Nokia im Sortiment. Herstellereigene App-Stores oder andere Dreingaben gibt es bei Android One nicht, dafür bekommen die User - wie in der Apple-Welt - schnelle Direkt-Updates. Und zwar für zumindest zwei Jahre.

Nachrüsten ist oft die sicherere Wahl
Bei Smart-TVs, vernetzten Stereoanlagen und anderen vernetzten Geräten gibt es solche Update-Garantien nicht. Hier ist es ratsam, sich entweder an große und etablierte Hersteller zu halten und zu hoffen, dass diese auch in ein paar Jahren noch Ressourcen für die Pflege ihrer Software aufwenden und herstellerübergreifende Standards nutzen. Alternativ kann man auf „dumme“ Geräte ohne Smart-TV- oder Multi-Room-Audio-Funktion setzen - und die Geräte selbst ins Internet holen, beispielsweise mit Streaming-Empfängern für HDMI- oder Audioeingang. Der Vorteil: Solche Nachrüstlösungen sind nicht teuer und schnell getauscht, wenn die Software nicht mehr tut, was sie soll. Die „dummen“ Fernseher und Hi-Fi-Anlagen sind auch günstiger als ihre „smarten“ Geschwister.

So oder so bringt schlecht oder gar nicht gepflegte Software die Kunden der Elektronikriesen in eine unangenehme Situation. Schwächen bei der Software können dafür sorgen, dass ein auf technischer Ebene einwandfreies Gerät nach einer Weile nicht mehr liefert, was der Hersteller versprochen hat - und damit im Grunde obsolet ist, ohne tatsächlich defekt zu sein.

Altert unsere Elektronik zu schnell? Im Zeitalter der geplanten Obsoleszenz und täglich neuer Cyber-Bedrohungen beschäftigt diese Frage nicht nur Besitzer älterer Geräte, sondern betrifft jeden. Wir widmen uns dem Thema deshalb auf krone.at mit einem Special, erklären, wieso manche Smartphones ab Jahresende kein WhatsApp mehr haben, welche Anbieter im Kampf um die Nutzergunst auf der Strecke geblieben sind - und wie man das Risiko eines Fehlkaufs minimiert.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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