Was vor 30 Jahren als kleiner Verein begann, ist heute die stärkste Lobbygruppe für Menschen mit Behinderungen in Österreich. Zum Jubiläum präsentierte „RollOn“ am Mittwoch eine neue Kampagne in Innsbruck, die einmal mehr mit Vorurteilen aufräumt und Menschen herzeigt, die leben und lieben - so wie alle anderen auch.
„Wenn sich Marianne Hengl etwas in den Kopf setzt, dann macht sie es auch“, sagt Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und ein Nicken geht durch den Saal. Marianne Hengl ist furchtlos, fröhlich und frech. Sie ist Vorreiterin und Vorbild – und sie ist behindert. „Mit Rufzeichen“, wie sie selbst sagt.
Hartnäckigkeit macht sich bezahlt
Ihr Wesen wird durch diesen Umstand aber nicht beschrieben. Es ist viel mehr ihre Hartnäckigkeit, die sie als Person ausmacht und mit der sie „RollOn“ zur stärksten Lobbygruppe für Menschen mit Behinderungen in Österreich aufgebaut hat. Seit 30 Jahren gibt es den Verein, der mit Vorurteilen aufräumt und Grenzen sprengt.
„Die Menschen schauen immer zuerst auf das Defizit und machen daran fest, was geht und was nicht“
Im Großen Saal im Landhaus wurde am Mittwoch eine neue Kampagne präsentiert – „ein Geburtstagsgeschenk von Landeshauptmann Günther Platter“, wie Hengl erklärt. Fünf Menschen wurden dafür vor den Vorhang geholt, um Einblicke in ihr Leben zu gewähren. Silke Naun-Bates etwa, Bestseller-Autorin, Mutter zweier Kinder, Ehe- und vor allem Powerfrau. „Die Menschen schauen immer zuerst auf das Defizit und machen daran fest, was geht und was nicht“, sagt die 51-Jährige und betont: „Ich trete gerne den Gegenbeweis an.“
„Wir sind Förderer und Lehrer der Empathie“
Das macht auch Stephanie Pletzenauer, die sich als Fünfjährige in den Kopf setzte zu studieren und als 27-Jährige den Uni-Alltag auf den Kopf stellt. Oder Günther Steiner, ein Künstler, der so viel Lebensfreude versprüht, dass es unmöglich ist, nicht davon angesteckt zu werden. „Wir sind Förderer und Lehrer der Empathie“, sagt Steiner und man spürt, dass gerade er das auch wirklich ist. Sabrina Nitz etwa ist Mutter und Partnerin, die einen Mann an ihrer Seite hat, der sich entgegen aller Vorurteile für die Liebe entschieden hat.
Gemeinsam haben sie alle eines: Sie sind Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen – „und ihre starken Stimmen erheben“, wie Soziallandesrätin Gabriele Fischer gestern sagte. Allen voran Marianne Hengl – und das mit Rufzeichen.
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