06.09.2019 09:00 |

Härtere Strafen

Italo-Pilzjagd in Tirol mit einem Hauch Kult

Es hat fast den Anschein, als würden derzeit die Italiener wie Heerscharen nach Tirol „einfallen“, um in den grenznahen Wäldern keinen genießbaren Pilz zu verschonen. Unsere südlichen Nachbarn betreiben ihre Sammelleidenschaft jedenfalls wie einen Kult. Ein Kult, bei dem am Ende eine Stange Geld für sie hängen bleibt.

Die „Invasoren“, die über den Brenner ins Wipptal, über den Reschenpass ins Obere Gericht und durch das Pustertal nach Osttirol „einfallen“, halten sich in der Regel nicht länger als einen Tag in unseren Wäldern auf. „Im Wipptal stellen wir fest, dass sie meist auf Campingplätzen in Südtirol ihren Urlaub verbringen und von dort morgens zu uns aufbrechen“, sagt Gottlieb Schwaiger, Einsatzstellenleiter von Matrei am Brenner und Pressesprecher der Tiroler Bergwacht.

Nach vollbrachtem Werk – oder sollte man besser sagen nach vollbrachter Tat? – reisen sie dann am selben Tag wieder zu ihrem Stützpunkt zurück. Im Gepäck haben sie oft kiloweise Pilze – sofern sie nicht vorher von der Bergwacht erwischt werden. Denn laut Tiroler Pilzverordnung ist pro Tag und Person nur das Sammeln von zwei Kilo erlaubt.

Mit fast 200 Kilo Pilze ertappt
Die zwei Kilo betrachten unsere südlichen Nachbarn allerdings eher als „Empfehlung“ denn als verbindliche Grenze, die die Pilzverordnung vorsieht. Zumindest deuten die spektakulären Mengen, die in den vergangenen Tagen bei Italienern in Tirol beschlagnahmt wurden, darauf hin. Den Vogel schoss dabei – wie berichtet – eine Familie in Serfaus ab, die mit fast 200 Kilo der ebenso köstlichen wie kostbaren Waldfrüchte ertappt wurde. Freilich, schränkt Schwaiger ein, dürfe man nicht alle Italiener in einen Topf werden. „Und wir erwischen natürlich auch Einheimische, die gegen die Verordnung verstoßen.“

Pilze bzw. Schwammerl suchen bedeutet laut dem Bergwächter für unsere südlichen Nachbarn mehr als für uns Tiroler. „Die Italiener betreiben die Suche beinahe wie einen Kult. Sie legen in den Körben Farne zum Schutz der Fundstücke aus und verwenden spezielle Rucksäcke mit Gittern zum Absondern der Erde. Geputzt werden die Fundstücke an Ort und Stelle“, berichtet Gottlieb Schwaiger.

Wieder nur an geraden Tagen sammeln?
Kritik übt er an der aktuellen Pilzverordnung. „Wir wünschen uns, dass wie vor 2005 wieder nur an den geraden Tagen gesammelt werden darf. Außerdem sollten jenen, die mehr als die erlaubte Tagesmenge von zwei Kilo sammeln bzw. transportieren, sämtliche Pilze abgenommen werden.“ Denn eines mögen die Italiener gar nicht: Wenn ihre Leidenschaft am Schluss völlig unbelohnt bleibt. Derzeit dürfen sie aber zwei Kilo ihres Fundes behalten – egal, mit wie vielen Pilzen man sie auch immer zuvor erwischt hat.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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