21.08.2019 09:00 |

Langer Leidensweg

Arm von Tirolerin auf eigenen Wunsch amputiert

Ihr sehnlichster Wunsch war, dass ihr linker Unterarm amputiert wird - weil sie acht Jahre des Dauerschmerzes nicht mehr aushielt. Dieser Wunsch wurde Maria erfüllt - sie führt heute ein Leben ohne Schmerz und ist glücklich.

Für viel Diskussionsstoff sorgte 2017 die in der „Krone“ veröffentlichte Geschichte von Maria Brandstätter aus Thiersee. Nach Jahren, geprägt von unvorstellbarem Schmerz rund um die Uhr, fasste die junge Frau den harten Entschluss, sich den linken Unterarm amputieren zu lassen. Diesem Wunsch wurde entsprochen. Somit begann für Maria ein Leben mit Aussicht auf eine tolle Zukunft.

Marias unsägliche Leidensgeschichte begann vor acht Jahren. Nach einem Sturz von ihrem Pferd erlitt sie einen Oberarmbruch. Nach der Operation aber brach die implantierte Platte mit Draht am Ellbogen durch die Haut, die Wunde begann zu eitern.

Dauerinfektion durch multiresistenten Keim
Dazu kam ein multiresistenter Keim, der für eine chronische Infektion des Knochenmarks sorgte. In der Folge standen zwölf Operationen mit Knochentransplantation bei Spezialisten von Tirol bis Wien an. Doch diese Eingriffe zeigten leider letztlich allesamt keinerlei Verbesserung. Die junge Frau litt weiterhin an einer sich nicht mehr schließenden, offenen und eitrigen Wunde mit einer Fistel am linken Ellbogen, die bis zum Knochen reichte.

„Ich habe Dauerschmerzen, die mittlerweile nicht einmal mehr mit Morphium in Schach gehalten werden können“, sagte die heute 27-Jährige damals im „Krone“-Gespräch. Zu diesem Zeitpunkt wog sie nur mehr an die 40 Kilogramm und hatte noch rund zehn Operationen vor sich.

Nach „Krone“-Bericht kontaktierte Arzt Maria
Maria war sich 2017 sicher, dass sie diese unvorstellbare Tortur nicht überleben würde. Vor allem, weil auch ihre inneren Organe von der jahrelangen Einnahme diverser Medikamente schwer angegriffen waren. Nach reiflicher Überlegung fasste sie den bitteren Entschluss, sich den „wie einen abgestorbenen Ast“ am Körper hängenden linken Arm amputieren zu lassen. Ein in Thiersee urlaubender Orthopäde las Marias Geschichte in der „Krone“ und nahm Kontakt mit ihr auf. Nach vielen Gesprächen und Abwägung des Verlaufes der Krankengeschichte, konnte der Facharzt Marias lang ersehnten Herzenswunsch entsprechen.

Seit dem Eingriff ist Maria ein neuer Mensch
Seit diesem Eingriff ist Maria wie ausgewechselt, voller Zuversicht und Ideen. Im Juli heiratete sie ihre Jugendliebe, den 30-jährigen Kufsteiner Manuel Hofmann. „Ich bin nach all diesen Jahren schmerzfrei und konnte endlich all die schweren Medikamente absetzen“, erzählt Maria mit strahlenden Augen.

„Wir sind dem behandelnden Arzt auf ewig dankbar, da er durch diesen Entscheid ihr Leben rettete und wieder lebenswert gemacht hat“, führt Ehemann Manuel aus, der in all den schwierigen Jahren, so wie auch Marias Eltern, fest und entschlossen an ihrer Seite stand.

Sozialprojekt geplant
Auch beruflich haben Maria und Manuel neue Wege eingeschlagen. Marias Elternhaus, der in Thiersee abgeschieden, aber romantisch gelegene „Hochhauser Hof“, wird von ihnen mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer im Sozial-Projekt „Green Care“ zu einer „offenen Landwirtschaft“ umgestaltet.

Fertige Ausbildung als Kinderpädagogin
Maria hat dazu die Ausbildung zur Kinderpädagogin abgeschlossen und absolviert aktuell ein Studium zur psychologischen Beraterin. Manuel wird sich ab September in Rotholz zum landwirtschaftlichen Facharbeiter umschulen lassen. Geplant ist, Kindern, Jugendlichen, beeinträchtigten Menschen, aber auch Personen, die eine Auszeit benötigen, am Hof Hilfestellung und Unterstützung in ihren individuellen Bedürfnissen zu geben. Aber auch Kindern aus der Stadt das Erlebnis Natur näher zu bringen (Details im Internet unter hold-me.net). Viele Ideen und Herausforderungen prägen derzeit Marias Tagesablauf. Doch sie betont: „Ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass ich nun wieder so mein Glück gefunden habe.“

Hubert Berger, Kronen Zeitung

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