28.07.2019 13:00 |

Mehr Bären und Wölfe:

„Dann werden viele Tiroler Schafbauern aufhören“

Von Einzelfällen bald zum Alltag? Nachrichten von gerissenen Schafen begleiten uns durch diesen Almsommer. Im „Krone“-Interview spricht Johannes Fitsch, Geschäftsführer des Tiroler Schafzuchtverbandes Tirol und selbst Herdenhalter in Nassereith, über die Besorgnis der Landwirte und wie der die Zukunft sieht.

Meldungen über gerissene Schafe gehören zur Tagesordnung, wie ist die Stimmung unter den Schafbauern?
Zufrieden ist wohl keiner, nicht wenige sind sehr angefressen. Schon vor Jahren wurde uns ein Risikoplan versprochen, Bauern in der Region sollten bei Sichtungen von Wolf oder Bär oder nach deren Angriffen vom Land gewarnt werden. Aber wir erfahren die Fälle auch nur aus den Medien.

Die Politik lässt die Schafbauern ja nicht im Stich, es gibt doch Entschädigungen.
Die Politik wird von Interessensgruppen beeinflusst, für die ein Ausbreiten der Beutegreifer wichtiger ist als die Existenz der Bauern. Wir wollen kein Geld, sondern in Ruhe auf unseren Almen und Wiesen wirtschaften. Eine Prämie existiert auch für das Abtreiben ins Tal, aber da ist mir kein Praxisfall bekannt und bei mehr als 30 Grad unten im Stall wäre das eine Dummheit.

Glauben Sie an mehrere Wölfe und Bären in Tirol?
Es wäre blauäugig zu glauben, es sei nur jeweils einer. Öfters gibt es ungeklärte Todesfälle bei Schafen, bei fortgeschrittener Verwesung klappt ja auch ein DNA-Test nicht. Es gibt jedenfalls eine gewisse Dunkelziffer.

Das Land hat nun vier Almen für einen probeweisen Herdenschutz ausgewählt – ein denkbares Rezept?
Umfassender Herdenschutz mit Hirten, Elektrozäunen und Hunden ist bei uns nicht vorstellbar, das hat auch das Land gerade eingestanden. Den Herdenschutz haben wir uns in der Schweiz angeschaut, aber das war ein entlegenes Gebiet fast ohne Wanderer und ohne touristische Nutzung.

Der Aufwand dafür wäre wohl beträchtlich?
Wir haben rund 2500 Schafbauern in Tirol mit rund 75.000 Tieren. Fast alle dieser Landwirte gehen noch einer anderen Beschäftigung nach und es mangelt an Zeit und an Geld.

Was passiert, wenn sich Bär und Wolf weiter in Tirol ausbreiten und es zu noch mehr Fällen kommt?
Man hat Freude an den Tieren, die man das ganze Jahr pflegt. Und dann gehen sie elendig zugrunde. Wenn die Bedrohung zu arg werden sollte, hören viele Schafbauern wohl auf, dann sind Almen oft nicht mehr gepflegt und es leidet der Tourismus und das Erscheinungsbild des ganzen Landes.

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